Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1873995
Die öffentlichen Gebäude. 
Die Oentralthermen. 
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mündet. Vermuthlich ist dieser Brunnen nur provisorisch, mit Benutzung des 
Impluviums eines früher hier befindlichen Hauses eingerichtet worden, um 
beim Bau das nöthige Wasser zur Hand zu haben. Andere Reste früherer 
Bauten liegen noch vielfach zu Tage, sollten aber sicher entfernt werden. 
Daneben fehlt es auch nicht an Materialien für den Neubau: Säulentrommeln, 
ganze Säulen, Basen und Capitelle, so wie auch Marmorplatten, darunter zwei 
sehr schöne von Cipollin. An der Ostseite war man beschäftigt, das geräumige 
Schwimmbassin (natatio) h anzulegen, war aber noch nicht weit damit gekom- 
men: es ist nur die Vertiefung ausgegraben und der Boden mit mäßig großen 
Lavasteinen gepflastert. Aus der Siidwestecke der Natatio sollte ein nur erst 
gegrabener Canal das Wasser, wenn man es ablassen wollte, in den Abtritt e 
leiten, so dass es zur Reinigung desselben verwerthet wurde. 
Nur wenig Räumlichkeiten liegen an der Palaestra: zwei Exedren von 
geringer Tiefe, v 11', und zwei Zimmer, von denen das aus 0' zugängliche, f, zwei 
große Fenster, das andere, g, keine Fenster hat. Sie sollten ohne Zweifel zum 
Aus- und Ankleiden, sowie zum Salben und zum Abstreichen des Öls dienen; 
wir mögen sie also etwa als Apodyterium und Destrictarium bezeichnen. 
Aus der Palaestra gelangen wir durch eine Thiir am Nordwestende der 
beabsichtigten Säulenhalle in einen Vorraum der eigentlichen Baderäume, i, an 
welchem zwei ladenartige Räume n, 0 und zwei Zimmer k, m mit je zwei 
großen und niedrigen Fenstern, deren Brüstung auch als Ladentisch dienen 
konnte, gelegen sind. Wir können nur vermuthen, dass hier irgend welche 
zum Baden nöthige Gegenstände zu haben waren. i war bedeckt, denn es 
erhielt sein Licht durch mindestens drei Fenster auf die Palaestra, ebenso k 
und m und der zwischen ihnen übrig bleibende Raum l durch Fenster auf die 
Nolaner Straße. 
Gehen wir nun zur Betrachtung der eigentlichen Baderäume über, so 
bemerken wir zunächst, dass hier nicht gesonderte Abtheilungen für Männer 
und Frauen, sondern alle Räume nur einmal vorhanden sind. Ob hier nur für 
Männer gesorgt war, 0b den beiden Geschlechtern verschiedene Stunden 
angewiesen Waren, ob endlich wir hier an die unter Nero eingerissene Unsitte 
des gemeinsamen Badens zu denken haben, das können wir nicht entscheiden; 
doch dürfte die letzte Möglichkeit am ehesten auszuschließen sein, da wir hier 
allem Anschein nach kein. Luxusbad vor uns haben. 
Die einzelnen Räume sind sehr groß und jeder durch zwei Thüren zu- 
gänglich. Ein besonderes Frigidarium ist nicht vorhanden, sondern diesem 
Zweck sollte die sehr große YVanne am Ostende des Apodyteriums p dienen. 
In sie sollte das Wasser aus drei Nischen fallen, deren in jeder Wand eine 
angebracht ist. Ferner ist unmittelbar über dem rechten Rande die YVand 
durch ein viereckiges Loch durchbohrt, welches mit leiser Senkung zu dem 
Ausgussbassin w führt. Wenn, wie zu vermuthen ist, hier das Wasser im 
Maße des Zuflusses ablaufen sollte, so musste der Rand der Wanne noch 
erhöht und in dieser Erhöhung ein Einschnitt oder ein Abflussrohr angebracht 
werden, welches jetzt fehlt. Da die WVanne nur mit opus Signinum bekleidet ist, 
so können wir vermuthen, dass sie noch mit Marmor getäfelt werden und 
dann die noch fehlende Vorrichtung erhalten sollte. Wollte man sie ganz
        

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