Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1873976
Die öffentlichen Gebäude. 
Die Centralthermen. 
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Dach führt, welche modern vermauert ist. Aus der linken Wand dieses Ganges 
ragt, abwärts gerichtet, eine starke Bleiröhre hervor, welche ganz den Ein- 
druck macht, als hätte sie , mit einem Hahn verschließbar, zum Wasser- 
schöpfen gedient. Hier wurde auch die mehrerwähnte Inschrift an die YVand 
gelehnt, d. h. offenbar einstweilen bei Seite gestellt aufgefunden. Kehren wir 
hier um, so führt uns der abzweigende Gang f in das ziemlich geräumige und 
überwölbte Zimmer k, in welchem Michaelis mit überzeugender Genauigkeit 
die Latrina mit ringsumlaufendem Canal nachgewiesen hat 103), dergleichen wir 
eine kleinere in den kleinen Thermen in d und eine größere am Forum neben 
der Fruchthalle gefunden haben. Da hier die nöthigsten Andeutungen über 
die Beschaffenheit solcher durch fließendes WVasser stets rein erhaltenen, über- 
aus sinnreich angelegten Räume gegeben sind, mag es mit einer Verweisung 
auf die genaue und correcte Beschreibung von Michaelis hier sein Bewenden 
haben; nur sei bemerkt, dass diejenigen, welche in diesem Raum ein Wasch- 
haus erkennen wollten, sowie diejenigen, welche hier das in der Inschrift 
erwähnte destrictarium suchten, sich im augenscheinlichsten Irrthum befanden. 
Z ist ein großer, viereckiger Brunnen, ganz ähnlich dem der kleineren Thermen 
(d auf dem Plan Fig. 116), welcher vermuthlioh theils durch das auf die flachen 
Dächer fallende Regenwasser, theils durch Leitungswasser gefüllt wurde. 
m ist ein von allen Seiten geschlossener, unzugänglicher Raum. 
Mit wenigen Worten ist noch die Bedeutung der am Anfange des Ganges 
a von der Theaterstraße her befindlichen Räume b, c und d festzustellen, von 
denen b als die cella ostiarii durch eine gemauerte Lagerstätte an ihrem linken 
Ende bezeichnet wird. In c führt eine Treppe in einen jetzt wegen starker 
Kohlensäureausdiinstung unbetretbaren Keller hinab, d endlich, in welchem 
Gemach der Anfang der aus Ziegeln erbauten Treppe in c liegt, ist nichts als 
ein Vorzimmer zu c. 
Die auch diese wie die kleineren Thermen an drei Seiten umgebenden 
Läden verdienen keine nähere Beschreibung. Dieselben sind zum Theil mit 
der Errichtung des Gebäudes gleichzeitig und zu diesen älteren Läden gehörte 
auch derjenige, welcher später, wie seines Ortes bemerkt, in den Eingangs- 
raum A verwandelt worden ist. Dagegen zeigen die Läden der Westseite 
jüngere Bauart; freilich aber ist zu vermuthen, dass schon vor den Umbauten, 
Welche mit den Thermen vorgenommen wurden, auch hier Läden vorhanden 
WäITBD  
Die Oentralthermen 104)  
Eine dritte große Thermenanlage wurde im Jahre 1877 ausgegraben; sie 
ist nicht nur weit jünger als die beiden besprochenen, sondern war zur Zeit 
der Verschüttung noch im Bau begriffen und ihrer Vollendung ziemlich fern, 
ist also trefflich geeignet uns über die Anforderungen zu unterrichten, welche 
man um's Jahr 79 n. Chr. an eine solche Anstalt stellte. Nach ihrer Lage an 
dem Kreuzpunkt der beiden die Stadt in grader Linie durehschneidenden 
Hauptstraßen nennen wir sie Centralthermen. 
Der große Hof d, den wir nach Analogie der eben besprochenen Thermen als 
Palaestra bezeiehnen dürfen, ist auf zwei Seiten von Läden umgeben; t scheint
        

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