Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1873962
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Drittes Capitel. 
Wo aber, so müssen wir jetzt fragen, bleibt das Laconicum der Inschrift? 
Einen runden, kuppelformig bedeckten Schwitzraum, wie man ihn mit diesem 
WVorte bezeichnete und wie wir ihn in einer andern Badeanstalt Pompejis 
kennen lernen werden, finden wir hier nicht, und es ist auch ganz sicher, dass 
er nie vorhanden war 102). Es scheint aber, dass jenes Wort auch in weiterem 
Sinne gebraucht wurde, und wenn uns von M. Agrippa berichtet wird, dass er in 
Rom nein Bad, ein sogenanntes Laconicuma erbaute (Dio Cass. LIII, 27), so 
müssen wir doch wohl an eine ganze Badeanstalt mit Heizapparaten, nicht nur 
an ein Laconicum im engem Sinne denken. Da nun, wie wir sahen, eben um 
die Zeit des Ulius und Aninius, der ersten Zeit der Colonie, die Caldarien mit 
den neu erfundenen Ileizvorrichtungen versehen wurden, so werden wir an- 
nehmen müssen, dass dies mit Laconicum facere gemeint ist: sie gestalteten 
die alte Anlage so um, dass sie nun zu einem Laconicum im weitern Sinne 
wurde. Somit haben wir also alles das, was die Inschrift jenen Duumvirn zu- 
schreibt, an dem Gebäude selbst wenigstens mit großer Wahrscheinlichkeit 
wiedergefunden. 
Der unbedeckte Vorplatz 6, welcher bei 17 17 und 17' die Reste mehrer 
Treppen in obere Räume enthält, ist völlig schmucklos, ja roh, mit mehr be- 
rappten als abgeputzten Wänden. Gleichwohl ist auf seiner östlichen Wand 
über einer Öffnung, durch welche dem Labrum des Caldariums sein Wasser 
zugeführt wurde, wenn auch nur höchst roh, ein Tempelchen mit Giebel- 
dach gemalt, innerhalb dessen sich eine große Schlange auf einen Altar mit 
Früchten zu ringelt (Hlbg. S. 11). In ihr wird entweder einfach der Genius 
loci oder, der custos fontis, genauer der die Wasserleitung schützende Genius 
zu erkennen sein.  
Ehe wir die Thermen verlassen, haben wir noch eine ganze Abtheilung" 
zu betrachten, Welche allerdings unscheinbar in ihren Räumen, aber deswegen 
nicht uninteressant und zugleich die am meisten noch in ihrem Urzustande 
befindliche des ganzen Gebäudes ist. Es ist die mit kleinen Buchstaben von 
a-Äc bezeichnete. Ihren äußern Eingang hat sie in (f? von der Theaterstraße : 
derselbe fuhrt in einen gewölbten Gang a mit Lichtöifnungen gleich denen im 
Gange 5 der zweiten Badeabtheilung. Allein auch mit der Palaestra steht 
diese Abtheilung durch die verschließbar gewesene Thiir aus h mit erhöhter, 
über einer Stufe zu betretender Schwelle in Verbindung. Lassen wir die 
Räume b c d rechts am Gange a zunächst bei Seite, so finden wir links etwas 
weiterhin an demselben in e vier ganz gleiche, kleine und schmucklose, von 
ihrer Wölbung aus nothdürftig erleuchtete Zellen von ungefähr 2x2 M. 
Größe, jede mit einer gemauerten Wanne, die aber ohne Zufluss- oder Ab- 
ilussrohre für das Wasser und in sehr zerstörtem Zustande aufgefunden worden 
sind. Es sind dies Einzelbadezellen, für welche der antike Name solia mit 
Glück aufgefunden ist. An diesen und dem Gange f vorbei gelangt man auf 
das in die Palaestra ausmündende Vorzimmer k, an dem ein kleines schmuck- 
loses Cabinet i liegt, welches keinen andern Eindruck als den einer Rumpel- 
kammer oder eines Aufbewahrungsortes für uns unnachweisbare Gegenstände 
macht, vielleicht aber ursprünglich auch eine Badezelle war. Vor demselben biegt 
der Gang links ab in den Zweig g, der zu einer steilen 'l'reppe auf das flache
        

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