Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1873955
Die öffentlichen Gebäude. 
Die größeren Thermen. 
231 
gestattet, ziemlich 
aufstellen , indem 
eine 
von 
genau verfolgen, und somit 
wir folgende vier Gruppen 
Geschichte der Anlage 
Veränderungen unter- 
scheiden: 
1. In den Caldarien werden hohle Fußböden angelegt. Die Nischen 
werden im Männercaldarium mit Ziegelstuck, bald nachher im Männertepi- 
darium die obere Reihe mit weißem, die untere mit rothem Stuck ausgeputzt. 
2. In den Caldarien werden hohle Wände, in den 'l'epidarien suspendirte 
Fußböden und hohle Wände angelegt, hier jedoch mit Ausschluss der Wöl- 
bungen und Lünetten, welche, wenigstens im Frauentepidarium, eine neue 
Decoration (Gesims mit Eierstab) erhalten. Gleichzeitig erfahren die Ost- 
wände beider Caldarien und des Männertepidariums einen Neubau; in der des 
Frauentepidariums wird ein kleines Fenster geschlossen. Die Thüren werden 
erweitert und mit Ziegelpfosten versehen, die schräg durch die Ecke gehende 
zum Frauentepidarium rechtwinkelig gemacht. 
3. Die Hohlwände werden im Frauen- und vielleicht auch im Männer- 
tepidarium auf Wölbung und Liinetten ausgedehnt. Im Frauentepidarium 
und Caldarium wird die Westwand neu gebaut, mit 0,90 M. breiten Fenstern 
in den Lünetten. 
4. Im Männertepidarium werden die Hohlwände von Wölbung und Lü- 
netten (wenn sie hier vorhanden waren) wieder entfernt. Ebenda wird eine 
Wanne, im Frauenapodyterium das kalte Bad gebaut. Die Wannen in den 
Caldarien werden erneuert, im Mannercaldarium gleichzeitig auch der suspen- 
dirte Fußboden. Die Wände werden neu decorirt mit theilweiser Marmor- 
bekleidung. Wieder Wird im Frauenbad die Westwand neu gebaut, diesmal 
mit größeren, 1,05 M. breiten, oben über die Lünetten hinausreichenden 
Fenstern. 
Es bedarf nun keines großen Scharfsinns, um zu vermuthen, dass die 
unter 1 zusammengefassten Veränderungen in die erste Zeit der römischen 
Colonie, bald nach Erfindung der Suspensuren fallen müssen. Ferner ist es 
ganz klar, dass die mit 4 bezeichneten der Zeit nach dem Erdbeben von 63 
n. Chr. angehören: damals konnte es begegnen, dass eine dem Augustus ge- 
widmete Inschrift (oben S. 227] als Baumaterial benutzt wurde; und auch der 
Charakter der Decoration stimmt dazu. Dagegen müssen wir darauf verzichten, 
auch für die mit 2 und 3 bezeichneten Vorgänge eine genauere Zeitbestimmung 
Zu finden. Den einzigen Anhalt dafür bietet das von M. N igidius Vaccula ge- 
schenkte Kohlenbecken, wenn wir annehmen, dass dies zur Erwärmung eines 
Tepidariums diente, bevor dasselbe seinen Heizapparat erhielt. Die Erben 
eines Nasennius Nigidius Vaccula kommen in einer der Quittungstafeln des 
_L. Caecilius Jucundus (8.12) vor, welche im Jahre 54 n. Chr. geschrieben ist; 
1st also dies der Schenker des Kohlenbeckens, so ist derselbe kurz vor dem Jahr 
54 gestorben, und wenn er auch die Schenkung geraume Zeit vor seinem Tode 
gemacht haben kann, so kann dieselbe doch frühestens in die letzte Zeit des 
Augustus, die Umgestaltung der Tepidarien (2) frühestens in die Zeit des Ti- 
berius fallen. Aber freilich ist die Identitätder beiden Persönlichkeiten 
nicht sicher 101) 
        

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