Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1873917
Die öffentlichen Gebäude. 
Die größeren Thermen. 
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Tepidarium VII, welches namentlich in einem Punkte von der Einrichtung 
des Tepidariums der kleineren Thermen abweicht und uns hierin etwas Neues 
kennen lehrt. An seiner kurzen Wand rechts von der Thiir, durch welche 
man eintritt, enthält es nämlich eine große Badewanne, welche einst mit 
Marmorplatten ausgekleidet gewesen ist, unter denen sich einige befanden. 
auf denen eine Inschrift aus der Regierungszeit des Augustus eingehauen 
War. Die Tafeln selbst sind verschwunden, aber da sie mit der Inschrift- 
seite in den Mörtel eingelegt waren, sind die Buchstaben in diesem ab- 
gedruckt, und aus diesen Abdriicken hat wenigstens der für die Zeitbestim- 
mung  9f8 v. Chr.) wichtige Anfang der Inschrift zusammengelesen werden 
können. In dieser Wanne, welche als ein Zusatz der letzten Restauration 
der Thermen nach dem Erdbeben zu betrachten ist, wurden lauwarme Bäder 
genommen und zu diesem Zwecke das Wasser in derselben durch einen 
eigenen kleinen unter ihrem Boden befindlichen Ofen k erwärmt, der von 
dem Gange X' aus geheizt wurde. Die Thatsache, dass in diesem Tepidarium, 
allerdings ungewöhnlicher Weise, gebadet wurde, während, wie wir gesehn 
haben, die Tepidarien sonst nur den auf den Genuss des Schwitzbades vorbe- 
reitenden Operationen dienten, diese Thatsache erklärt auch, warum unser 
Tepidarium weniger reich als dasjenige der kleineren Thermen, obgleich nach 
Maßgabe der wenigen erhaltenen Reste immerhin reich genug in Stuccoreliefen 
ornamentirt war; denn die in allen Baderäumen herrschenden feuchten Dämpfe 
konnten der Ornamentirung nur nachtheilig sein. Die Verzierungen stellen in 
dem rings umlaufenden Friese Schiffe dar, in den Stichbögen leichte Lauben- 
geriiste, ähnlich wie wir sie an der Palaestra fanden, und zwischen denselben 
Figuren, welche Schriftrollen in den Händen halten und lesen: vielleicht 
dürfen wir hier eine Andeutung der bekannten Sitte finden, dass Dichter, die 
ja auch Pompeji besessen haben wird, in den Bädern ihre neuesten Producte 
zum Besten gaben. Die Wölbung ist fast gänzlich eingestürzt und die YVände 
sind stark beschädigt; der eberrfalls fast gänzlich eingestürzte Fußboden ruhte, 
Wie derjenige im Caldarium der kleineren Thermen, auf Ziegelpfeilerchen, war 
also hohl um die heiße Luft aufzunehmen, welche ihm aus dem ebenfalls 
hohlen Raume unter dem Fußboden des angrenzenden Caldariums VIII durch 
eine unter der Schwelle der beide Räume verbindenden Thiir befindliche Öff- 
Illmg zuströmte. Die Wände sind mit Thonplatten belegt, welche die Wand 
nur mit vier warzenartigen Vorspriingen berühren (tegulae mammatae) und so 
hinter sich einen hohlen Raum zum Durchstreichen heißer Luft frei lassen. 
Das sehr zerstörte Caldarium VIII entspricht fast genau demjenigen der 
kleineren Thermen. Es zeigt dieselben drei Abtheilungen: erstens die Nische 
mit dem Labrum, von dessen Schale hier nichts mehr vorhanden ist, während 
der ebenfalls zum Theil zerstörte Fuß in der Mitte durchbohrt ist, um das 
WVasser zuzuleiten. In der Mitte zweitens das eigentliche Sudatorium mit 
Suspensurae und Wänden, welche nicht, wie im Tepidarium, mit Platten, son- 
dern mit viereckigen Thonröhren belegt sind, und drittens am andern Ende der 
Alveus für das heiße Bad, über welchem in der Wand drei, ohne Zweifel für 
Statuen bestimmt gewesene Nischen angebracht sind. Der Wandschmuck ist 
gänzlißh verschwunden, die Wand über dem Alveus zeigt jetzt nur einfachen 
 1er
        

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