Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1873904
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Drittes Capitel. 
gebracht, welche wir aus dem Tepidarium der kleineren Thermen schon kennen. 
und welche hier wie dort auf einem schwer aus der Wand vorspringenden 
Abacus stehn und den Carnies tragen, nur dass hier die Telamonen fehlen. 
welche sich in den kleineren Thermen finden. Der Boden ist mit grauem Mar- 
mor gedeckt, in den hie und da, wohl von einer Restauration herrührend eine 
weiße Platte eingelassen ist; ringsum läuft eine Borde von Lava; in den 
beiden Ecken zunächst dem Eingang sind bei t z Löcher angebracht, welche 
ohne Zweifel zum Abfluss des "Wassers dienten, mit welchem man den Boden 
reinigte. Die Wände sind nur einfach, unten roth, oben weiß abgestrichen: 
dagegen ist das freilich zum großen Theil eingestiirzte Gewölbe nebst den 
Gurtbogen sehr reich und geschmackvoll mit Stuckornamenten verziert. Das 
Ornament besteht aus Cassetten, welche in der ersten Abtheilung achteckig 
sind und zwischen schwebenden Figuren bakchischen Charakters Waffentro- 
päen enthalten, während in der zweiten in unten viereckigen, oben sechs- 
eckigen Cassetten Rosetten und schwebende Eroten angebracht sind. Die 
Gurtbogen sind auf ihrer untern Fläche mit phantastischen Ornamenten ver- 
ziert, dagegen zeigen sie auf ihren Seitenflächen schwebende, fast nackte 
weibliche Figuren, welche in Arabesken iibcrgehende Delphine in den Händen 
halten. Nicht minder reich sind die oberen, durch die Wölbung halbkreis- 
förmig abgeschnittenen Theile der Eingangs- und Ausgangswand in Stucco 
ornamentirt: phantastische Architekturen, wie wir sie als Decoration der 
breiten Wandflachen im Hofe kennen gelernt haben, bedecken, theilen 
und beleben auch diese Flachen, und auf den innerhalb der Saulchen dieser 
Architektur entstehenden Feldern sind theils auf Delphinendahin schwim- 
mende Amoretten, theils auf leichten Postamenten stehende, fast nackte Figuren 
bakchischen Charakters angebracht.  
 Eigenthiimlich ist in dieser Abtheilung des Bades die Anordnung des 
Apodyteriirms und Frigidariums. Die Erweiterung des Apodyteriums durch 
den Vorraum IV ist nicht nur zwecklos, sondern es ist auch unbequem, dass 
sich die von der Palaestra her eintretenden und die aus dem Frigidarium V 
kommenden und dahin gehenden Personen in diesem engen Raume begegnen 
mussten. Es lässt sich aber noch nachweisen, dass die Bedeutung von IV 
ursprünglich eine ganz andere war, dass nämlich sein ganzer westlicher (der 
Palaestra zunächst liegender) Theil, bis dicht an die Thiir von III, durch ein 
Wasserbassin eingenommen wurde. Offenbar konnte die Thür IVa" nicht vor- 
handen sein, so lange dies Bassin in Gebrauch war. YVie aber letzteres benutzt 
wurde, 0b etwa als ein flaches Nebenbassin, wie die, welche wir an der 
Palaestra fanden (E, G; s. oben S. 221), das würde nur durch Nachgrabimg 
vielleicht festgestellt werden können. Auch die Thiir aus III musste damals 
unbequem sein; sie trägt kein Zeichen hohen Alters, und nichts hindert uns 
anzunehmen, dass sie jüngern Ursprungs ist, und dass man damals am Ende 
von III, rechts umbiegend, wenn man. von IIIX kam, direct in das Apodyterium 
gelangte; der vollkommen erhaltene Stuck macht es unmöglich, zu unter- 
suchen, ob etwa hier eine Thiir vermauert worden ist. S0 ist also IV erst 
später aus einem Theil des Frigidariums zu einem Vorzimmer geworden. 
Eine Thür in der linken Langwand des Apodyteriums führt uns in das
        

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