Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1873856
Die öffentlichen Gebäude. 
Die größeren Thermen. 
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wenig classisch und sehr heiter. Diese gesammten architektonischen Glieder 
und Ornamente sind aber nicht, wie in anderen Fällen, gemalt, sondern in 
Stucco sauber ausgeführt und durch Stuccoreliefe weiter belebt und bereichert; 
nur die Gründe sind farbig, roth und blau, und an untergeordneten Stellen 
sind kleine Bilder in die Stuckornamente eingefasst; in Relief ist auf der 
einen Treppe ein Jüngling mit einem Tambourin, auf der andern ein kleiner 
Satyr mit einer Fackel, der gegen einen Silen mit Trinkhorn und Stab die 
Hand ausstreckt, und was dergleichen meist dem bakchischen Kreise entnom- 
mene Gegenstände mehr sind. Über der Wölbung aber des Eingangs zum 
Zimmer E sitzt, nach einem auch sonst noch nachweisbaren Motive 93) gilt 
ausgeführt und trefflich erhalten, Zeus unterwärts bekleidet auf einem glatt- 
behauenen Steine, auf den er auch die Linke aufstiitzt, während er in hoch 
erhobener Rechten sein Scepter hält und sein Adler seitwärts auf einem Pfeiler 
sitzt. Auch die breiteren YVandfiäehen zwischen den Stuccosäulchen sind theils 
mit Reliefen bedeckt, theils mit Gemälden, meist Landschaften und einer jetzt 
fast unkenntlich gewordenen Darstellung des Hylasraubes (Hlbg. N0. 1260 b) 
geschmückt, so dass, wenn man alles nennen und beschreiben wollte, kaum 
ein Ende abzusehn sein würde. Ganz ähnlich ist die Wand von G verziert, 
wo unter den, freilich viel schlechter erhaltenen und vielfach ganz abgefalle- 
nen, nur in den Umrissen erkennbaren Reliefen zwei als besonders interessant 
hervorzuheben sind, welche sich auf die Geschichte von Daedalos und lkaros 
beziehn. Die ganze Decoration aber ist so reich und schmuck wie man sich 
nur Etwas denken kann, ein Abbild des üppigen und heitern Treibens, das 
sich durch diese Räume bewegt hat. Doch kann auf das Einzelne hier nicht 
näher eingegangen werden. 
Es ist schon oben erwähnt worden, dass der Säulennmgang der Palaestra 
auf deren Nordseite in mehre loggienartige Gemächer, J und K im Plane, über- 
geht, welche zu der Palaestra ebenfalls in unzweifelhafter läeziehung stehn. In 
das erstere dieser Zimmer führt nur ein nicht breiter Eingang aus dem Flügel 
B" der Porticus, während es mit einem sehr breiten aber verschließbar ge- 
Wesenen Fenster über einer niedrigen Briistungsmauer gegen den Hof und mit 
einem gleichen gegen das Zimmer K geöffnet ist.  Seine Decoration ist über- 
aus einfach, der Boden von-schlechtem opus Signinum, die Wand weiß über 
schwarzem Sockel bemalt. In diesem Zimmer fand man ein elegantes Kohlen- 
becken von Bronze, demjenigen im Tepidarium der kleineren Thermen (oben 
S. 208) genau entsprechend und wie jenes mit der Inschrift M  NIGIDIVS -P  S- 
und dem redenden Symbol der kleinen Kuh verziert 99). Dass dieser Heerd 
nicht ursprünglich für dieses durch die zwei großen Fenster weit offene Zimmer 
bestimmt gewesen sein kann, ist fast augenscheinlich; aus ihm also dürfen wir 
für die Bestimmung dieses Raumes keine Schlüsse ziehn; aber auch sonst 
fehlt es an jedem Anhalt, um die Bedeutung dieses Zimmers festzustellen. 
Unmittelbar ergiebt sich, dass man aus demselben in aller Ruhe eine vortreff- 
liche Aussicht auf das Leben und Treiben der Palaestra hatte; allein ob wir 
darin den Zweck der Herstellung dieses Locales erkennen sollen, ist doch 
zweifelhaft. Der angrenzende Raum K bildet eine nach vorn ganz offene 
Loggia, in deren Öffnung nur eine Säule zwischen zwei Halbsäulen steht,
        

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