Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1873761
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Drittes Capitel. 
also nach dem wesentlichen Inhalte, dass die Rechtsduumvirn C. Ulius und 
P. Aninius nach Decret der Deeurionen die Herstellung eines Laconicum und 
Destrictarium und die Wiederherstellung einer Palaestra und einer Por- 
ticus in Accord gegeben, und zwar aus dem Gelde, welches sie nach dem Gesetze 
auf Spiele oder ein Monument verwenden sollten, und dass dieselben den Bau 
nach der Vollendung geprüft und gebilligt haben. 
Wichtig ist die Inschrift besonders dadurch, dass sie (ähnlich wie diejenige 
am Gebäude der Eumachia, s. oben S. 131) vier Theile des zu betrachtenden 
Gebäudes, Laconicum, Destrictarium, Palaestra und Porticus, bestimmt nennt. 
Diese werden also in den zu durehwandernden Räumen aufzusuchen sein, wobei 
jedoch gleich hier mit Nachdruck hervorgehoben werden muss, dass die In- 
schrift aus entscheidenden sprachlichen und Gpigrapllischgn Gründen trotz 
einigen entgegenstehenden Schwierigkeiten etwa in das Jahr 70 vor u. Z. zu 
setzen ist, dass folglich die in ihr erwähnte Wiederherstellung von Porticus 
und Palaestra nicht durch das Erdbeben von 63 n. Chr. veranlasst worden 
sein kann, und dass es demgemäß von vorn herein fraglich ist, 0b sich die 
genannten Räume alle in den Ruinen unserer Thermen werden nachwei- 
sen lassen, ob nicht vielmehr ihrer einige durch die neueste Restauration 
beseitigt oder in ihrer Bestimmung geändert worden sind. In der That 
werden wir finden, dass auch noch nach der Zeit des Ulius und Aninius, 
und nicht nur in Folge des Erdbebens vom Jahre 63 n. Chr., mancherlei Ver- 
änderungen vorgenommen worden sind. Andererseits aber ist klar, dass eine 
schon um 70 v. Chr. erneuerungslmdürftige Anlage geraume Zeit vor der 
Deduction der sullanisehen Colonie erbaut sein muss. Damit verträgt es sich 
vortrefflich, dass die Bauart  Bruchsteinmauern (opus incertunz) mit Ecken 
und Thürpfosten aus Kalksteinquadern, Faeaden aus Tuffquadem  ganz ent- 
schieden die der samnitischen Zeit, der Tuffperiode ist, so wie auch, dass man 
hier eine Sonnenuhr mit oskischer Inschrift fand. Dass die unter griechischem 
Einfluss stehende Stadt schon damals eine Palaestra hatte, während dieselben 
in der römischen Welt erst unter Augustus gewöhnlich wurden, kann uns nicht 
WVunder nehmen, nachdem wir bereits (oben S. 150) eine solche, aus vor- 
römischer Zeit stammende Anlage gefunden haben.  Doch gehn Wir zur 
Betrachtung des Gebäudes selbst über, Welches nördlich von dem Theater- 
viertel liegt und im S. von der Straße der Holconier (der verlängerten Abbon- 
danzastraße) , im WV. von der Theaterstraße, im O. von der Stabianer, nördlich 
dagegen von einem Privathause, demjenigen des Siricus, begrenzt wird und, 
die im W. angrenzenden Läden mitgerechnet, einen Fläehenraum von etwa 60 
M- mittlerßr Breite (v. O. n. W.) und 55 M. Tiefe (v. S. n. N.) bedeckt. Der 
Plan (Fig. 124) ist in ähnlicher Weise wie derjenige der früher gefundenen 
Thermen behandelt, um dem Leser die Übersicht über dessen einzelne Theile 
und eine Schnelle Orientirung in: denselben zu erleichtern. Und zwar sind die 
Mauern der Haupträumliehkeiten, welche sich als das Männerbad erweisen 
werden, schwarz gezeichnet, diejenigen einer zweiten Abtheilung, welche das 
Frauenbad darstellt, dunkel schraffirt, der Hof, wie sich zeigen wird die Pa- 
laestra, und Alles was zu dieser zu gehören scheint, heller schraffirt, eine 
abgesonderte, im Norden hinter diesem Hofe und den ihn begrenzenden
        

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