Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1871226
Erstes Capitel. 
landschaftlichen Schönheit zugleich, welche ihr im Munde aller Reisenden 
den Namen eines Paradieses verschafft und sie zum unzählige Male Wieder- 
holten Gegenstand unserer Landschaftsmalerei gemacht haben. Im Norden 
treten mäßige Hügel, im Süden hohe und steile Berge dicht an das Meer 
hinan; dazwischen, von Neapel bis zu den Kalksteingebirgen der sorrentiner 
Halbinsel, erstreckt sich ins Land hinein die weite, von Bergen umgrenzte, 
stets von kühlenden Seewinden erfrischte Ebene, unterbrochen nur durch den 
zugleich großartig und anmuthig emporsteigenden Kegel des Vesuv, der da- 
mals, vor dem ersten geschichtlich bekannten, für Pompeji so verhangnißvollen 
Ausbruche, bis hoch an seinen Gipfel vom herrlichsten Laubwalde bedeckt 
war. Die Vulcanitat des Bodens ist wie überall so auch hier die Quelle 
großer Fruchtbarkeit; bereits der unter August schreibende Geograph Strabo 
erkannte in ihr den Grund des Reichthums dieser Gegend an den edelsten 
Producten der Vegetation, Getreide, Wein und Öl, obgleich man damals den 
Vesuv für längst erloschen und ausgebrannt hielt. Olivenwälder bedeckten 
namentlich die ansteigenden Höhen der südlichen und mittlern Gegend, 
während aus der nördlichen zwischen dem Liris und Vulturnus, aus dem 
Gebiete von Teanum, dem ager Falernus der bekannte Falernerwein und der 
kaum minder edle Massiker stammten. Wir brauchen übrigens nur an die 
heutigen Tages an den Abhängen des Vesuv producirten Weine zu erinnern, 
um es wahrscheinlich zu machen, dass auch im Alterthum der uns zunächst 
interessirenden südlichen Gegend manches edle Gewächs nicht gefehlt haben 
wird, obgleich Plinius angiebt, der WVein Pompejis sei nicht ohne unangenehme 
Folgen genießbar gewesen. Reben vielleicht weniger vorzüglicher Gattung 
haben sich aber unstreitig damals, wie heute, fast wild, bis hoch in die Baume 
emporgerankt und wie Festons von Stamm zu Stamm, von Wipfel zu Wipfel 
geschlungen. Zu der Fruchtbarkeit der Gegend gesellt sich deren hohe land- 
schaftliche Schönheit, welche in dem bekannten nveder Napoli e poi morireu 
sprichwörtlich geworden, aber keineswegs auf Neapels Aussichten allein be- 
schränkt ist. 
Wenngleich Pompejis Lage in dem weiten Thale des Sarnus und mit 
nur theilweiser Aussicht auf das etwa {I4 Meile entfernte Meer sich nicht 
mit der Neapels messen kann, "so ist doch die Aussicht von den freien Höhe- 
punkten der Stadt, von dem Podium des J uppitertempels, von dem Steinsitze 
auf dem Forum triangulare, der offenbar dort der Aussicht zu Liebe gegründet 
wurde, endlich von den oberen Rängen des Theaters, sowie von mehren Pri- 
vathäusern des südlichen und westlichen, jetzt freilich durch die Aufschüt- 
tungen der Ausgrabungen zum Theil bedeckten, Abhangs eine überaus ent- 
zückende. Stellen wir uns auf dem letztem Punkte so, dass wir den leichte 
graue Wolken ausstoßenden, nur V4 Meile entfernten Vesuv zur Rechten haben, 
so schweifen unsere Blicke über die schöne, reich bebaute, von Baumgruppen 
und Alleen unterbrochene, mit Dörfern und Städtchen reich übcrsäete Ebene 
hinaus auf den klarblauen Golf von Neapel, den rechts die vorspringenden 
Abhänge des Vesuv begrenzen, welche uns den Blick auf Neapel verhüllen, 
während in weiterer Ferne der in dem steil abfallenden Cap Misenum endende 
Höhenzug und der gewaltige Kegel des Epomeo auf Ischia, den Horizont
        

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