Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1873608
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Drittes Capitel. 
wie des Einzelnen zu erläutern, indem wir die weitergehenden Bemerkungen 
an diesen Stamm anlehnen. 
Ehe wir zur Besprechung der erhaltenen Thermenanlagen übergehen, 
bemerken wir in der Kürze, dass das unter dem Namen der Villa der Julia 
Felix bekannte, in der Nähe des Amphitheaters ausgegrabene Gebäude nichts 
anderes war, als eine doppelte Badeanstalt, für Männer und Frauen. Ferner 
wissen wir noch von einer weitern Badeanstalt, welche wesentlich anders 
gewesen sein muss als die erhaltenen. Nämlich im Jahr 1749 fand man vor 
dem Heroulaner Thor, in der sogenannten Villa des Cicero, folgende Inschrift, 
nicht an ihrem Ort, sondern als Baumaterial verwandt: Tleermae M. Crassi 
Frzigi agua marina et baln. agua dulci. Ianudrizas l (ibertus); das heißt: nBade- 
anstalt des M. Crassus Frugi mit warmen Seebädern und Süßwasserbädern, 
verwaltet vom Freigelassenen Januariusrr Die Inschrift wird trefflich erläutert 
durch eine Stelle des ältern Plinius (Nat. bist. 31, 5), wo von einer im Meere 
aufsteigenden warmen Heilquelle berichtet wird, welche früher dem Licinius 
Crassus gehörte. Es ist kaum zweifelhaft, dass sowohl die Inschrift als Plinius 
von M. Licinius Crassus Frugi reden, Consul 64 n. Chr., dann im Jahr 68 von 
Nero getödtet. Der Stein war vermuthlich da aufgestellt, wo sich der Weg 
zur Badeanstalt von der Gräberstraße abzweigte, und mochte entfernt worden 
sein, als dieselbe nach dem Tode des Besitzers in andere Hände iiberging.  
Nach einer offenbar falschen Nachricht soll ein Exemplar dieser Inschrift bei 
den gleich zu besprechenden kleineren Thermen gefunden sein, mit denen 
man sie deshalb irrthümlicher Weise in Verbindung gebracht hat 93). 
Thermen. 
Die kleineren 
 Beginnen wir mit den kleineren, 1824 ausgegrabenen Thermen, Welche 
allerdings ihrer Erbauungszeit nach die jüngeren sind, deren Plan sich aber 
als der einfachere leichter zum Verständniss bringen lässt. Dieselben bilden 
eine von vier Straßen umgebene Gebäudegruppe (insula) für sich; sie liegen 
unmittelbar hinter (nördlich von) dem Forum, einerseits an der nach ihnen 
benannten Strada delle Terme im Norden, andererseits an der Verlängerung 
der Straße des Mercur (Strada del Foro) im Osten, von welchen beiden Straßen 
die Haupteingänge sind, während die dritte Straße mit einem dritten Eingang 
und die vierte, westlich und südlich (Vicolo delle Terme und Vico dei Sopra- 
stanti genannt), nur unbedeutend erscheinen. Diese Thermen bedecken in 
ihrer Gesammtheit ein unregelmäßig viereckiges Areal von 49,50 M. Breite 
an der Strada delle Terme, 28,30 M. Breite an der kleinen südlichen Straße 
und 53 M. mittlerer Tiefe. 
Bevor auf den Plan dieses Gebäudes eingegangen wird, muss wenigstens 
mit ein paar Worten von einer Inschrift gesprochen werden, welche sich auf 
diese Thermen bezieht und in Zwei Exemplaren in der Nähe derselben gefun- 
den worden ist. Sie lautet: L. Caesius C. f. d. v. i. d. O. Occius M  L. 
Mmemius A.  II v. d. d. s. ex peq. pubLfac. curar. prob. g. Sie nennt also 
diejenigen Beamten, vermuthlich einen Rechtsduumvirn und zwei Aedilen, 
unter denen dieselben aus öffentlichen Mitteln, also von vorn herein als
        

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