Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1873597
Die öffentlichen Gebäude. 
Die Thermen. 
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für die ärmere Classe bestimmt, da Wohlhabendere eigene Bäder in ihren 
Häusern besaßen, aber doch auch von den höheren Classen der Gesellschaft 
als allgemeine Sammelplätze der feinen und geistreichen WVelt stark besucht, 
waren von einer derartigen Größe, dass z. B. in den Thermen des Caracalla 
3000 Menschen zugleich baden konnten, waren von einer solchen Ausdeh- 
nung, dass sie außer den eigentlichen Baderäumen nicht allein Bibliotheks- 
und Unterhaltungszimmer, sondern Ringplätze, Spaziergänge, Parks, kleine 
Theater, Schauplätze für Gladiatorenkämpfe und dergleichen mehr um- 
schlossen, waren dabei endlich von der fabelhaftesten Pracht und mit dem 
iiberschwänglichsten Luxus ausgestattet. Stammt doch eine Reihe der berühm- 
testen Bildhauerwerke, der Laokoon, der Fainesische Stier, der Farnesische 
Hercules, die s. g. Flora (Hebe) in Neapel, der Torso von Belvedere und vieles 
andere aus den Thermen des Titus und denen des Caracalla. 
Es begreift sich, dass bei der Wichtigkeit des Badewesens sehr Vieles 
überliefert und dass dieses in mannichfachen Schriften behandelt worden ist91); 
da aber die Einrichtung der öffentlichen Bäder in der römischen Welt selbst 
in ihren eigentlichen und wesentlichen Theilen eine ziemlich mannichfaltige 
und von derjenigen der modernen Welt abweichende ist, so musste in den 
Überlieferungen ohne monumentalen Anhalt, ohne die Anschauung der Denk- 
mäler selbst Manches unklar bleiben. Die monumentale Anschauung hat nun 
freilich schon lange vor der Entdeckung Pompejis keineswegs gefehlt; stehn 
doch, um nur das Bekannteste zu erwähnen, von den funfzehn großen Bade- 
häusern, die Rom unter Constantin zählte, die Ruinen der Thermen des Cara- 
calla in imposantester Großartigkeit da, während das große Schwimmbassin 
der Thermen des Diocletian in die Kirche Sta. Maria degli angeli umgebaut 
ist, um von anderem zu schweigen. Aber vermöge der gewaltigen Ausdeh- 
nung dieser Gebäude und vermöge der iiberschwänglichen Fülle der Neben- 
räume, welche sie umschlossen, war es keineswegs leicht, sich in ihnen 
Zurechtzufinden und die einzelnen, namentlich die wesentlichen Theile zu 
bestimmen. Auf der andern Seite haben wir freilich auch von kleinen mehr 
oder weniger grade auf die nothwendigsten Theile beschränkten Badeanlagen 
Ruinen in verschiedenen Theilen das weiten Römerreichs. Und endlich wurde 
die monumentale Grundlage unserer Anschauung noch durch ein angeblich 
aus den Thermen des Titus stammendes Gemälde vollendet (abgebildet u. a. 
in Winckelmanns Werken Taf. 9 N0. 19 und mehrmals in anderen Werken 
wiederholt), welches ein römisches Bad in seinen wesentlichen Räumen selbst 
mit Namensbeischrift darstellt, dasselbe ist jedoch nicht antik, sondern von 
dem Architekten Giovanni Antonio Rusconi 1553 erfunden, um einem Compen- 
dium über Bäder als Titelkupfer zu dienen 92). Mögen aber die Grundlagen 
unserer Kenntniss antiker Bäder sein welche sie wollen, immer stehn die 
Thermen von Pompeji an Erhaltung und Klarheit der Bestimmung aller 
Räume, die weder auf das allgemeine Bedürfniss beschränkt, noch mit Ne- 
bensächlichem überladen sind, in der allerersten Linie und bilden eine durch- 
3118 Sichere Grundlage für das Verständniss aller derartigen Anlagen, welches 
auch bereits nicht unwesentlich durch sie gefördert worden ist. Wir können 
also nicht besser thun, als dieselben nach Anlage und Einrichtung des Ganzen
        

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