Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1873584
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Drittes Capitel. 
von der Stabianer Straße und der Säulengang, welcher die Verbindung mit 
dem großen Theater herstellte 90). 
Aber genug von dem Amphitheater und dem Gladiatorenwesen, wir ver- 
lassen die für dasselbe errichteten Gebäude, um Ruinen aufzusuchen, in denen 
friedliehere Scenen römischer Uppigkeit spielten und welche von nicht gerin- 
gerem Interesse sind, als irgend welche andere in den Mauern Pompejis, 
nämlich: 
Fünfter 
Abschnitt. 
Thermen 
oder öffentlichen Badehäuser, deren man bis jetzt drei kennt, ein 1824 aus- 
gegrahenes, ein größeres, welches den Ausgrabungen der 50er Jahre unseres 
Jahrhunderts verdankt wird, und eines, welches zur Zeit der Verschüttung 
noch im Bau begriffen war; es wurde im Jahr 1877 ausgegraben. Die beiden 
zuerst erwähnten Thermen gehören zu den am besten erhaltenen, in ihrer 
Ausschrnückung reichsten und schönsten, in ihrer Bestimmung unzweifelhaf- 
testen und zu den lehrreichsten aller Ruinen der antiken Stadt; sie verdie- 
nen an dieser Stelle. eine ganz besondere Aufmerksamkeit wie im Original 
einen besonders eingehend prüfenden Besuch. 
Häufige Waschungen und Bäder sind ein Bedürfniss aller Völker in süd- 
lichen Klimaten, und so finden wir denn auch bei den verschiedenen Völkern 
des Alterthums mehr oder weniger bedeutende Einrichtungen, welche diesem 
Bediirfniss entsprachen; aber bei keinem Volke des Alterthums oder der Neu- 
zeit ist das Baden so sehr zu einer förmlichen Leidenschaft geworden, wie, 
aber freilich erst in der spätern Periode, bei den Römern, und kein Volk hat 
so viel gethan, so Großes geschaffen und gebaut, um diese Leidenschaft zu 
befriedigen, wie eben die Römer. In Rom badete in der Kaiserzeit J eder, arm 
und reich, vornehm und gering, alt und jung wenigstens einmal täglich, oft 
auch mehrmals, ja wir wissen, dass ein guter Theil der feinen Welt in den 
Bädern, wo sie freilich außer den WVaschungen noch sonst allerlei Nennbares 
und Unnennbares suchte und fand, fast den ganzen Tag und einen Theil der 
Nacht zubrachte. Flussbäder sind natürlich das Anfängliche; eigene Bade- 
anlagen in geschlossenen Räumen folgten, und sollen aus Griechenland ent- 
lehnt sein; aber bis zum Ende der Republik waren derartige öffentliche und 
Private Einrichtungen noch keineswegs zahlreich in Rom und von allem Luxus 
und aller Großartigkeit weit entfernt. Luxus und Großartigkeit brachte auch 
hier die Kaiserzeit; an Zahl wie an Umfangnahmen die öHentlichen Bade- 
häuser, Welche man, weil sie neben kalten auch warme und Dampf- oder 
Schwitzbäder enthielten, mit dem Namen Thermen, d. h. Warmbäder bezeich- 
nete, schnell zu, so dass im vierten Jahrhundert ihrer 856 in Rom gezählt 
wurden. Agrippa baute unter August die ersten ausgedehnten Thermen, 
Welche aber an Glanz und Größe von den Thermen der Kaiser in späterer 
Zeit vollkommen in Schatten gestellt wurden. Diese Kaiserbäder, eigentlich
        

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