Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1873571
Die öffentlichen Gebäude. 
Die Gladiatorenkaserne. 
.197 
nen Cisternen und kleineren Vertiefungen, in denen sich der Schmutz aus 
dem Wasser niederschlug. 
Die beiliegende Ansicht ist von der Terrasse neben der großen Treppe 
vom Forum triangulare (B Fig. 88) aufgenommen; man sieht in der südlichen 
Porticus die factisch ausgeführte Restauration eines Theils der Gallerie oder 
des Balkons der oberen Cellen.  
Es ist nun aber schon an sich wenig glaublich, dass diese Säulenhalleir 
Von Anfang an zu dem dargelegten Zweck gebaut worden sein sollten, dass an 
der ganzen Anlage die verhältnissmäßig kleinen umliegenden Raume, von 
zum Theil recht dürftiger Bauart, die Hauptsache, die schönen, solide gebauten 
Hallen und der weite Platz dagegen nur ein eigentlich überflüssiger Anhang 
gewesen sein sollten. Denn wenn auch der Platz als Übungsplatz dienen konnte, 
so war doch eine Gladiatorenschule hier gewiss nie vorhanden. Es ward 
daher schon oben (S. 76 f.) angedeutet, dass sowohl die Form als der Zweck der 
Anlage ursprünglich andere Waren. An der Stelle der nördlichen Cellenreihe 
lag eine die große Freitreppe vom Forum triangulare fortsetzende, nach Norden 
geöffnete Säulenhalle. Sie lag auf etwas höherem Terrain, als die der Gladia- 
torenkaserne, doch war der Unterschied durch geringere Höhe der Säulen 
ausgeglichen. Ob die beiden hier an einander stoßenden Hallen durch eine 
Mauer oder nur durch eine dritte Säulenreihe getrennt waren, wissen wir 
nicht. Ferner sind sowohl die Cellen der Nordseite als die Räume an den 
anderen drei Seiten ihrer Bauart nach offenbar Weit jünger als die Säulen- 
hallen; ganz besonders gilt dies von den kleinen Cellen (regelmäßig wech- 
selnde Ziegel und ziegelförmige Hausteine), von denen nur die am Nordende 
der Westseite etwas älter aussehen. Im übrigen stammen die verschiedenen 
Räume aus verschiedenen Zeiten und kann ihre Entstehung im einzelnen nicht 
verfolgt werden. Wie bemerkt wurde, war der Hauptzugang von der Stabia- 
nerstraße her bei 2 durch die sehr anmuthige kleine ionische Säulenhalle 3, 
Welche nach Stil und Bauart den großen Säulenhallen gleichzeitig ist. Auch 
Sie ist viel zu schön für eine Gladiatorenkaserne. Besonders bexnerkenswerth 
aber ist der Umstand, dass die Mauer, durch welche sie bei 4 von der Osthalle 
des Hofes hinter dem großen Theater getrennt wird, jungen Ursprunges ist, 
(lass noch zu einer Zeit, wo das kleine Theater schon stand und seine Stuck- 
bekleidung (zweiten Stils) hatte, die beiden Hallen nicht von einander getrennt 
Waren. Es fehlte hier also der für die Gladiatorenkaserne so wichtige sichere 
Verschluss. Die spätere Gladiatorenkaserne stand ohne Zweifel ursprünglich 
in Beziehung zum großen Theater und war bestimmt, bei plötzlichem Regen 
den Zuschauern Schutz zu gewähren. Vitruv (V, 9, 1) schreibt vor, zu diesem 
Zweck hinter der Bühne Portiken zu errichten, und in der That finden wir sie 
In eben dieser Lage bei anderen antiken Theatern. Ihrer Bauart nach können 
diese Hallen sehr wohl dem großen Theater gleichzeitig sein. Freilich müssen 
an ihnen, wenigstens im Westen, von Anfang an irgend welche Räume gelegen 
haben; denn die Rückwand der Cellen ist die alte Futtermauer des Hügels, 
auf dem das Forum triangulare liegt. Es ist selbstverständlich, dass eine solche 
Anlage nicht nur an Spieltagen geöffnet war, sondern auch sonst als Spazier- 
sang diente. Demgemäß miindeten in die Eingangshalle 3 zwei Wege: der
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.