Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1873552
Die öffentlichen Gebäude. 
Die Gladiatorenkaserne. 
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aus ihr, über eine Stufe hinabsteigend, in die von drei ionischen Säulen ge- 
bildete Säulenhalle 3, aus welcher auch das Postscenium des kleinen Theaters 
zugänglich ist, und aus ihr über weitere drei Stufen in den Umgang. Im 
Süden endlich lief die Stadtmauer an unserm Gebäude vorbei, doch ist 
die Beschaffenheit dieser Stelle in den letzten Zeiten Pompejis, unvollendeter 
Ausgrabung wegen, gegenwärtig nicht sicher festzustellen. Um den Säulen- 
"gang liegt, wie gesagt, eine zweistöckige Reihe von gleichgroßen Cellen 7, 
und zwar sind auf der nördlichen Seite, außer zwei großen iiberwölbtcn 
Nischen unter der großen Treppe, ihrer 2x 8: 16 (in beiden Geschossen) 
und eine Treppencella 8: in letzterer biegt die große Treppe rechtwinklig 
um und mündet in viel geringerer Breite bei 1 in die Säulenhalle ein. 
Von dem Treppenabsatz führte ein schräg aufsteigender Gang (aus Holz) 
zu der noch zu besprechenden Holzgallerie, welche, vor den Cellen des obern 
Geschosses hinlaufend den Zugang zu denselben vermittelte. Auf der west- 
lichen Seite finden wir, außer einer zweiten Treppencella 8' und einer Cella 
unter der großen Treppe 18, zu ebener Erde zehn Cellen, in deren Mitte ein 
breiter, von fester Erde erfüllter Raum sich befindet, dessen Zweck unklar ist. 
Im obern Geschoss gehen die Cellen auch über diesen und die Cella unter der 
großen Treppe hinweg, so dass hier 14 sind: also im Ganzen 25; auf der süd- 
lichen Seite sind zu ebener Erde, und ebenso auch im obern Geschoss zehn 
Cellen zu beiden Seiten eines größer-n, jetzt verbauten Mittelraurns 9. Endlich 
finden wir auf der östlichen Seite im Erdgeschoss außer einem Treppenraum 
S" an der Ecke, dessen Treppe recht augenscheinlich auf die gleich zu be- 
sprechende Gallerie führte, und außer mehren größeren Räumen noch sechs 
Cellen, die sich im obern Geschoss wiederholen: also 12, oder, da fürtzwei 
sich uns eine besondere Verwendung ergeben wird, 10. Dieser Cellen sind 
also im Ganzen 71, welche alle unter einander keine Verbindung, sondern 
nur einen Eingang nach vorn haben, welcher im obern Geschoss auf eine rings 
umlaufende Gallerie führte, deren Balkenlager in den Wänden unverkennbar, 
und welche zum Theil aus antiken Elementen, im Übrigen nach Maßgabe 
solcher auf der einen Ecke, welche die beiliegende Abbildung zeigt, recon- 
struirt ist. Diese Cellen von durchschnittlich 4 M. Größe können nur einen 
Zweck gehabt haben ; zu Verkaufsbuden sind sie, "sind namentlich diejenigen 
im obern Geschoss nicht geeignet, wohl aber auf 's beste zu Schlafzimmern für 
die Bewohner der Kaserne. Dass man keine festen Betten] in ihnen gefunden 
hat, widerspricht nicht im geringsten, denn Gladiatorenigenügte ein Stroh- 
lager mit etlichen Decken. Wahrscheinlich haben wir uns jede Celle von zwei 
Mann bewohnt zu denken, was bei gänzlicher Besetzung eine Zahl von 142 
Bewohnern dieses Gebäudes ohne die etwaigen Vorgesetzten ergeben würde. 
Dass eine Stadt, welche ein Amphitheater für etwa 20,000 Zuschaueräü) besaß, 
auch das Bediirfniss empfand, ein eigenes Gebäude für die Unterbringung der, 
wenn auch nicht ständig, so doch häufig vorhandenen Gladiatorenbanden zu 
besitzen, darf uns nicht Wunder nehmen. Und was die Zahl anbetrifft, für 
welche dies Gebäude eingerichtet ist, so genügt es, auf die an die Wände ge- 
malten Ankündigungen von Gladiatorenkämpfen zu verweisen, in welchen 
dem Volke bis zu 30 Paaren in Aussicht gestellt werden, die von Sonnenauf- 
13'
        

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