Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1871202
Einleitung. 
tenbilder der alten Gemälde sind, Alles von alter Malerei unwiederbringlich 
verloren ist. So vertreten uns die herculanischen und pompejanischen YVand- 
gemälde fast allein die ganze alte Malerkunst, und zwar nach einer sehr 
bedeutenden Seite ihrer Technik, nach dem WVesen der Form- und Farb- 
gebung wenigstens dieser Technik, nach dem der Composition, nach dem 
der Gegenstände. Und mögen auch die besten dieser Bilder, hätten wir 
die WVerke der Meister, als sehr schwache Nachklänge der eigentlichen Herr- 
lichkeit der Kunst erscheinen, mögen sie einen großen Theil der Schuld 
tragen, dass über die antike Malerei als Ganzes schwer ausrottbare falsche 
Vorstellungen und Vorurteile sich festgesetzt haben, dennoch können wir 
uns ihrer Erhaltung nicht genug freuen, dennoch werden wir immer aner- 
kennen müssen, dass sich vortreffliche, reizvolle, anmuthige, in jedem Be- 
tracht interessante Kunstwerke in großer Zahl unter ihnen befinden. 
So tritt neben die antiquarische Bedeutung Pompejis eine künstlerische, 
und so wird neben die Ahtheilun dieser Beschreibung, welche es mit den 
Resten des Lebens und mit derengErklärung und Neubelebung zu thun hat, 
eine zweite künstlerischen Interesses zu stellen sein, deren Gegenstände 
besonders die Gemälde Pompejis und die durch sie vertretene antike Malerei 
bilden.  
Sowie aber der Hervorhebung der Bedeutung der pompejanischen Ge- 
mälde gleich eine Einschränkung hinzuzufügen war, so muss eine ähnliche 
für die oben angedeutete antiquarische Wichtigkeit der alten Stadt und eine 
Warnung vor Überschätzung hier zum Schlusse nachgetragen werden. Pom- 
peji ist, Wenngleich eine reiche, handeltreibende Stadt mit lebhaftem Verkehr, 
dennoch nur eine kleine und eine Landstadt ohne politische Bedeutung 
gewesen; allen ihren Resten ist nicht der Stempel des Wesens eineiidllpiupt- 
und Weltstadt auf earägt, und wenn man Pompeji ein Miniaturbi oms 
genannt hat, so kaiinl das, abgesehn von den unrömischen Elementen, denen 
man in ihr begegnet, nur in Beziehung auf die Denkmäler des communalen 
und privaten Lebens gelten. YVas Rom darüber hinaus besaß, was die ewige 
Stadt zur Hauptstadt nicht allein Italiens, sondern der Welt machte, was 
von den Monumenten, welche diese weltbeherrschende Stellung geschaffen, 
in Rom geblieben ist, das fehlt nicht allein in Pompeji, das lässt sich an 
den Monumenten in Pompeji auch nicht nachweisen, so wenig wir Jemandem 
an Städten wie Bonn oder Zwickau die Einrichtungen und das Eigenthüm- 
liche von Städten wie London und Paris oder Berlin und Dresden klar machen 
können. Mit der bloßen Vergrößerung durch die Phantasie ist's hier eben 
nicht gethan. Vergleichende Blicke auf das Leben der WVelthauptstadt können 
wir wohl von dem vor uns befindlichen Monumentenkreise des Landstädtchens 
werfen, aber nur dagegen muss gleich hier Verwahrung eingelegt werden, 
dass es nicht die Absicht dieses Buches sein kann, die Beschreibung Pom- 
pejis zum Anlass einer encyklopädischen Darstellung der römischen Anti- 
quitäten zu machen, dass vielmehr Pompeji der wirkliche und eigentliche 
Gegenstand der Beschreibung, Darstellung und Erklärung ist und, wenn 
der Zweck nicht verfehlt werden soll, sein muss.
        

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