Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1873519
öffentlichen Gebäude. 
Die 
Die Gladiatorenkaseme. 
193 
Thieres zeigt, dass dasselbe gegen seine Angreifer in Nachtheil gesetzt gewesen 
war, und sich erst losreißen musste, um jene zu fliehn. 
Am reichhaltigsten ist das Relief an der Umfassungsmauer des Grabes 
Fig. 114. Zunächst bemerkt man in seinen oberen Theilen ein Zeugniss, dass 
man die blutigen Kämpfe auch mit heiteren Zwischenscenen zu unterbrechen 
liebte. Schon die Jagd eines Rehes durch Hunde könnte man dazu rechnen, 
sicher aber muss es sehr komisch gewirkt haben, wenn man in die Arena, in 
der sich Löwen, Tiger, Panther, Bären, Eber, Stiere tummelten, ein paar 
Hasen losließ, von welchen der eine auf unserm Bilde nicht übel Lust zu 
haben scheint, Männchen zu machen. Im Übrigen geht es ernster zu: links 
wird ein Eber von Hunden gejagt, in der Mitte hat ein Bestiarius einen Bären 
niedergestreckt, und rechts ein anderer, ein wahrer Matador, einem Stier 
seine Lanze durch den Hals gerannt, so dass es um diesen gethan ist, mag 
er auch im gesprengten Galopp an dem verwunderten Kämpfer vorüber 
geeilt sein- 
Die betrachteten Bildwerke werden und müssen hier genügen, uns einen 
Begriff der Kämpfe und Jagden zu geben, welche in Pompeji stattfanden. 
Gladiatorenkaserne 
(ludus gladiatorius). 
Das Gebäude, welches hier, der jetzt wohl allgemein 85) angenommenen 
Benennung Garruccis im Nuovo Bullettino Napolitano gemäß, als Gladiatoren- 
kaserne bezeichnet wird, wurde 1766 entdeckt, 1794 ganz ausgegraben und 
Wie das große und das Amphitheater zum Theil restaurirt. Bei der Ausgrabung 
erhielt dasselbe den Namen Soldatenquartier oder Kaserne, und obgleich zu 
dieser Nomenclatur Wesentlich ein nur halbwegs richtig beobachteter Umstand, 
nämlich die Auffindung zahlreicher Waffen, den Anlass gegeben hat, so wird 
Sich doch ergeben, dass dieselbe begründeter war, als diejenige, welche man 
sich längere Zeit hindurch gewöhnt hatte an die Stelle zu setzen. In neuerer 
Zeit nämlich betrachtete man dieses neben dem Forum triangulare und hinter 
dem großen Theater belegene Gebäude als einen Marktplatz, als das Forum 
nundinarium, den Wochen- oder Krammarkt, ohne freilich im Grunde nur 
ein einziges wirklich durchschlagendes Argument hiefür aufzustellen oder auf- 
stellen zu können, so dass es überflüssig ist, diese falsche Bezeichnung etzt noch 
ausdrücklich zu bestreiten, und genügt, die Momente hervorzuheben, Welche 
die richtige augenscheinlich machen. Zu diesen gehört eine genauere Betrach- 
tung der aufgefundenen Waffen und der an mehren Wänden befindlichen Ma- 
lereien, sowie die schärfere Prüfung der ganzen Baulichkeit an sich, Welche 
Garrucci auf den neuen Namen geführt, den die Überschrift angiebt und 
welcher trotz den gegen denselben erhobenen in der That sehr unerheblichen 
Bedenken für den allein richtigen erklärt werden muss. Die aufgefundenen 
Waffenstücke sind nämlich ohne Ausnahme die augenscheinlichsten Gladia- 
torßnwafen; es ist kein einziges Soldatenwaffenstück unter denselben; die 
erwähnten Malereien beziehn sich, wie mancherlei gemalte und eingekratzte 
Inschriften, auf das Amphitheater, und eine genauere Betrachtung des Ge- 
bäudes selbst wird lehren, dass dasselbe alle Zeichen einer Kaserne und keines 
Overbeck, Pompeji. 4. Auü.  13
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.