Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1873454
öffentlichen Gebäude. 
Die 
Das Amphitheater. 
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geschlachteter Sclaven fiitterten, um sie zarter und Wohlschmeckender zu 
machen. VVO dergleichen bestand, musste es  als ein Geringes erscheinen, 
Verbrecher, Gefangene, Sclaven wohlgeriistet mit einander kämpfen zu lassen. 
Und wie sollte sich hiegegen das Gewissen eines Volkes empört haben, aus 
dessen Mitte freiwillige Klopffechter in großer Zahl hervorgingen, und zwar 
nicht allein aus den niedersten Classen, die Mangel und Habsucht und ein be- 
stialischer Ehrgeiz treiben mochte (denn die Gladiatoren wurden gut bezahlt, 
konnten in schönen Kleidern und Rüstungen prangen, und es fehlte ihnen, 
obgleich ihr Stand als unehrlich galt, nicht an mancherlei Auszeichnungen und 
Gunst), sondern aus dem Ritter- und Senatorenstande,  bei dem selbst 
Frauen in der Arena erschienen. So finden wir neben den gezwungenen frei- 
willige Gladiatoren, welche ihre Kunst gewerbmäßig trieben und ihr Leben 
um Geld und um den Beifall des Pöbels feilboten, und wohl verdient es beson- 
ders hervorgehoben zu werden, dass während einerseits Gesetze nöthig wurden, 
welche dem Senatorenstande Roms die Arena verboten, andererseits ein Gesetz, 
das petronische, erlassen wurde, und zwar unter Neros Regierung, Welches 
verbot, den Sclaven ohne richterlichen Spruch zum Kampfe zu zwingen. Bei- 
läufig mag erwähnt werden, dass der dem C. Cuspius Pansa Vater, dessen 
Statue im Nordeingang des Amphitheaters stand, beigelegte Titel praefectus 
ex lege Petronia (I. R. N. 2250; O. I. L. X, 858) hiermit nicht zusammen- 
hangt (s. oben S. 13). 
Die zunftmäßigen Gladiatoren lebten in Truppen (familia) zusammen, 
vielfach, wie auch in Pompeji, in eigenen Kasernen, und erlernten die Hand- 
und Kunstgriffe der Klopffechterei in eigenen Gladiatorenschulen unter einem 
Vogt (lanista)  Sie gehörten Vornehmen und Reichen, die sie vermietheten und 
nach denen sie genannt wurden, wie z. B. in einer pompejanischen Mauer- 
inschrift, der Anzeige von Kämpfen im Amphitheater, A. Suettii Oertifamilia 
gladiatoria erscheint, in einer andern die Truppe des N. Festius Ampliatus 31). 
Die Kämpfe selbst waren sehr verschieden, theils indem die Gladiatoren ent- 
weder paarweise oder in größerer Zahl gegen einander fechten, theils durch 
die Verschiedenartigkeit der Bewaffnung und die dadurch bedingte Ver- 
Schiedenartigkeit der Kampfweisen. Das pompejanische Grabrelief wird uns 
Gelegenheit geben, eine Reihe der verschiedenen Rüstungen und Kämpfe 
kennen zu lernen, obwohl immerhin nur eine beschränkte Zahl derselben. 
Man focht zu Ross und zu Fuß, mit Lanzen und mit Schwertern, in schwerer 
und in leichter Rüstung, deren manche nationaler Sitte unterworfener Völker 
entsprach und demgemäß bezeichnet wurde, so dass z. B. eine Art von Gladia- 
toren (die schwergeriisteten) den Namen der Samniten trugen, eine andere als 
Gallier, wieder eine andere als Thraker bezeichnet wurde; zu den Waffen, 
welche aus der Kriegfiihrung civilisirter Völker entnommen wurden, gesellten 
sich andere, welche man fernen, balbbarbarischen Stämmen entlehnte, so na- 
mentlich das Fangnetz, welches der Schlinge des amerikanischen Gaucho, der 
Kirgisen und mancher Kosakenstämme ungefähr entspricht, und das nach 
vielfachen Spuren auclshlunter die auf dem Schlachtfelde gebrauchten Waffen 
aufgenommen wurde. I Amphitheater handhabte es der außerdem mit einem 
Dolche und einem der Harpune nachgebildeten Dreizaek bewaffnete Retiarius
        

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