Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1873443
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Drittes Uapitel. 
dass die mugistri der Vorstadt Augustus felix und zwei Duumvirn je einen 
cuueus (d. h. die Sitze desselben), desgleichen vier andere Duumvirn zusam- 
men drei cunei haben machen lassen, und zwar pro lud. oder auch pro lud. 
lum., d. h. nstatt der zu gebenden Spieles und nstatt der Spiele und der Be- 
leuchtunga (pro Zudis Zuminibus), Wobei wir dahin gestellt sein lassen müssen, 
ob die Beleuchtung mit den Spielen verbunden oder von ihnen unabhängig 
war. Es scheint demnach, dass man sich eine ziemliche Zeit mit provisori- 
schen Sitzreihen behalf, und dass noch in der spätern Zeit des Augustus (denn 
die Organisation des pagus Augustus felix fallt ins Jahr 7 v. Chr: s. oben S. 
113 f.) die Herstellung der Sitzstufen nicht beendigt war. Die Inschriften steh11 
jede vor dem Cuneus oder den Cunei, auf welche sie sich bezieht, und es sind 
dies die sechs ersten östlich vom nördlichen Haupteingang. Zur Zeit des 
Unterganges hatte das ganze Amphitheater seine Sitzstufen und waren die- 
selben schon ziemlich viel benutzt worden 79). 
Über die Kämpfe und Spiele des Amphitheaters ist Viel und Vielerlei 
geschrieben; die schriftlichen Quellen sind reichlich genug, und auch nicht 
wenige Kunstdenkmäler, freilich an Kunstwerth gering, sind auf uns gekom- 
men, welche uns die schriftlichen Überlieferungen erläutern und manche Ein- 
zelheit der Kämpfe und der Rüstungen der Gladiatoren auf's klarste anschau- 
lich machen. Je ausgedehnter aber hier der Stoff ist, um so mehr muss sich 
die gegenwärtige Darstellung auf das Nöthigste und Nächste beschränken, 
wobei das eigentliche Thema, die Erklärung der pompejanischen Monumente, 
den Anhalt bietet und zugleich die Grenze weist. Eine der wichtigsten bild- 
liehen Darstellungen von Gladiatoren- und Thierkämpfen findet sich in den 
Reliefen eines pompejanischen Grabmals, welches freilich jetzt größtentheils 
zu Grunde gegangen, aber in der Zeit der Auffindung fast unverletzt von Mazois 
und von Millin gezeichnet worden ist S0). Der Erklärung dieser Reliefe sind 
nur einige allgemeine Bemerkungen voranzustellen. 
Kriegsgefangene und nach antiker Sitte in Sclaverei gefallene Feinde 
waren die ersten Opfer auf den Gräbern und in Folge dessen die ersten 
gezwungenen Gladiatoren. Aus Kriegsgefangenen, Sclaven und verurteilten 
Verbrechern bestand auch in der Folgezeit die eine Hälfte der Kämpfer des 
Amphitheaters, nämlich die gezwungenen, denen durch ausgezeichnete T apfer- 
keit und Geschicklichkeit die Möglichkeit gegeben wurde, Entlassung von den 
Kämpfen und selbst die Freilassung zu erringen. Es wird überflüssig sein, 
ausführlicher über die tiefe Barbarei zu reden, welche sich darin ausspricht, 
dass man den Verbrecher dem strafenden Arme der Gerechtigkeit entzog, um 
ihn zur Lust des Volkes für sein verwirktes Leben kämpfen zu lassen, oder 
claSS man den im ehrlichen Kampfe Gefangenen und den schuldlosen Sclaven 
jenem gleich behandelte. Ist doch hiermit die Grenze der Schändlichkeit nicht 
erreicht; wissen wir doch, dass man Verurteilte, unter denen mancher der 
ersten Christen gewesen ist, der für seinen Glauben dulden musste, in der 
Arena den reißenden Thieren entweder schwach oder gar: nicht gewaHnet ent- 
gegenstellte, oder sie selbst gefesselt und an Pfähle gebunden von den Bestien 
zur Lust des Pöbels zerfleischen ließ ; wissen wir doch: dass schon vor der Zeit 
der Kaiser römische Schlummer ihre Fische mit Menschenfleisch, dem Fleischc
        

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