Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1873432
Die öffentlichen Gebäude. 
Das Amphitheater. 
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fiihrt. Die Hauptzugänge aber zur summa crwea sind von der auf der Höhe 
derselben außen um das Gebäude, bis auf den Theil, der an die Stadtmauer 
stößt, herumlaufenden breiten, nach außen von einer 1,30 M. hohen, nur theil- 
weise erhaltenen Brüstung umgebenen Gallerie, 9 im Plan (vgl. Fig. 104, 10). 
Man besteigt sie vermöge zweier Doppeltreppen (11 Fig. 104), deren eine die 
Ansicht bei S. 176 zeigt, und zweier einfachen in den Winkeln zwischen der 
Rundung des Amphitheaters und der Stadtmauer, 10 auf dem Plan, der zu- 
gleich bei 11 einen der Thürme der Stadtmauer und in 12 die äußere und 
innere Linie dieser selbst zeigt. Auf diese Gallerie und auf die sie fortsetzende 
obere Fläche der Stadtmauer miinden die 40, den 40 Treppen der summa 
caeea entsprechenden Vomitorien, 13 im Plan; und in je dem vierten der Ab- 
Schnitte, welche durch die Vomitorien in der Außenseite des höchsten Theils 
des Baues gebildet werden (s. die Ansicht bei S. 176), findet sich der Zugang zu 
einer Doppeltreppe. d. h. zwei Treppen, welche von einem Punkt in entgegenge- 
setzter Richtung auf die oberste Platform mit ihren kleinen Cellen führen. Man 
wird bei genauer Erwägung dieser ganzen Einrichtung begreifen, wie vortreff- 
lich für freie Bewegung gesorgt ist, selbst wenn das Volk zu Tausenden her- 
anfluthete oder wenn es nach Schluss des Schauspiels in grausamer Aufregung 
wogend das Amphitheater verließ.  Es ist ferner bemerkenswerth, dass bei der 
Anlage des Baues offenbar der Gedanke maßgebend war, eine spätere Ver- 
größerung zu ermöglichen; denn durch Überwölbung des breiten Umganges 
auf der Höhe der summa cacea (10 Fig. 104) konnte noch für eine beträchtliche 
Anzahl Zuschauer Platz gewonnen werden. 
Wir erwähnen noch, dass, wie das mehrfach erwähnte Gemälde Fig. 3 
zeigt, um das Gebäude sich ein mit Bäumen und Verkaufständen besetzter 
Platz befand. 
Eine in zwei Exemplaren in zweien der Eingänge gefundene Inschrift 
lautet: C. Quinclius O.  Vctlgus M Porcius M.  duovir. quing. coloniai 
lzonoris caussa spectacula de sua peg. fac. coer. et coloneis Zocum m perpetuom 
deder. Sie nennt also, mit bemerkenswerthen Archaismen in der Sprache, als 
Erbauer aus eigenen Mitteln zwei Quinquennalen (S. 12), welche uns schon 
bekannt sind, da sie als Duumvirn auch das kleinere Theater haben erbauen 
lassen (s. S. 172). Es steht damit fest, dass auch das Amphitheater in der 
ersten Zeit der römischen Colonie erbaut worden ist; und in der That ist die 
Bauart der des kleinen Theaters sehr ähnlich: namentlich charakteristisch ist 
das netzwerkartige Mauerwerk aus Lava. Daraus nun ergiebt sich, dass das 
pompejanische Amphitheater nicht nur älter ist, als das des Statilius Taurus 
in Rom, sondern überhaupt als alle uns bekannten derartigen Bauten, höchst 
wahrscheinlich auch älter als das Kunststück des C. Curie, der im Jahr 53 
v. Chr. in zwei hölzernen Theatern spielen und diese dann umdrehen ließ, 
so dass ein Amphitheater entstand, was gewöhnlich für den Ursprung des 
Amphitheaters gilt. Nicht ohne Grund ist daher vermuthet worden, dass in 
Campanien, wo ja von je her die Fechterspiele sehr im Schwunge waren, diese 
Gebäudeform erfunden worden sei. 
Vier andere Inschriften (I. R. N 2252; O. I. L. X, 853-857) sind in 
die Travertinbekrönung der Brüstung der Arena eingehauen. Sie besagen,
        

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