Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1873415
Die öffentlichen Gebäude. 
Das Amphitheater. 
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Gnade anfleht; denn der emporgerichtete Daumen war das Gnaden-, der ge- 
senkte das Verdammungszeichen. Seine Bitte scheint nicht erhört zu werden, 
wir dürfen uns das Volk mit der Geberde der Verurteilung sitzend denken; 
denn der siegreiche Gegner tritt heran, um seinem wehrlosen Schlachtopfer 
den Todesstoß zu geben. 
Fig. 107 (Helbig N0. 1515) zeigt uns eine andere Scene, die offenbar dem 
Beginne des Kampfes, der Waffnung der Gladiatoren angehört. In der Mitte 
der Kampfordner, mit langem Stabe den Kreis des Kampfes bezeichnend, 
rechts ein Gladiator, der halb gerüstet dasteht, und dem zwei andere Schwert 
und Helm bringen, gegenüber ein ebenfalls halb geriisteter, der das Schlacht- 
horn bläst (nicht der bei den Kämpfen unbetheiligte Tubicen, der wie der 
Kampfordner umgerüstet sein würde), während zwei hinter ihm an einem der 
V ictorienbilder, die die Scenen einfassen, hockende Genossen auch für ihn 
Helm und Schild bereit halten. 
Was nun den Zuschauerraum, das eigentliche Amphitheatrum anlangt, so 
sieht Jeder bei einem Blick auf den Plan wie auf den Durchschnitt Fig. 104, 
dass derselbe durch zwei Praecinctionen (a b Fig. 104) in drei Ränge oder 
Caveen getheilt ist, welche wieder durch Treppen in Cunei zerfallt werden. 
Der Sitzreihen sind im Ganzen 35, nämlich ivyfma cavea (ausgenommen zwei 
große Mittellogen an den Langseiten mit nur vier breiten Stufen für beweg- 
liche Ehrensitzc der Vornehmsten) 5 (G Fig. 104), media cavea 12 (7 Fig. 104), 
summa cavea 18 (8 Fig. 104); die unterste Cavea ist nicht in eigentliche Cunei 
getheilt, doch können wir auch bei ihr vermöge der Eingänge und kleinen 
Treppen aus dem großen Umgang (4 Fig. 104) eine Zerfallung in 18 Logen 
von verschiedener Breite (7 auf dem Plan) wahrnehmen; außerdem trennen 
Briistungsmauern die beiden großen Hittellogen mit den breiten Stufen von 
den seitlichen mit den gewöhnlichen Steinsitzen ab. In Betreff dieser breiten 
Stufen ist noch zu bemerken, dass an der Ostseite die unterste derselben auf 
eine Strecke von 3 M. doppelte Breite hat, indem hier die nächst höhere Stufe 
unterbrochen ist. Ohne Zweifel haben wir hier den Platz des den Spielen vor- 
sitzenden Beamten zu erkennen. Der mittlere Rang ist durch 20 Treppen in 
Cunei zerlegt, der oberste durch ihrer 40: die Verdoppelung war wegen des 
nach oben immer größer werdenden Umfanges der Sitzreihen nothwendig. Die 
Einrichtung der Sitzstufen ist durchaus die, welche bei dem kleinen Theater 
beschrieben worden ist, nur dass sie ganz von Tuff sind. Nur in einem Theil 
der YVestseite sind durch eingeritzte Linien die einzelnen Plätze, 0,37 M. breit, 
abgetheilt. Hinter der obersten Cavea läuft eine von überwölbten Vomitorien 
durchbrochene doppelte, durch Wölbung verbundene Umfassungsmauer um 
das ganze Amphitheater; sie bildet eine Platform von 5 M. Breite, auf welche 
eine Anzahl von Treppen (8 im Plan, 9 im Durchschnitt Fig. 104) führen, und 
Welche folgendermaßen eingerichtet ist. Ringsum lauft zu äußerst ein 1, 40 M. 
breiter, nach außen durch eine Brüstung geschützter Umgang, an den sich 
nach innen eine Reihe kleiner viereckiger, gegen die Arena geöffneter Cellen 
von 1,30 M. Tiefe anreiht, von denen je drei zwischen zwei Vomitorien liegen, 
aber nur je die dritte von dem äußern Umgang aus zugänglich ist. Die beiden 
anderen öffnen sich lediglich gegen einen nur 0,80 M. breiten innern Umgang,
        

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