Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1873324
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Drittes Capitel. 
Auflager der Balken des Bretterfußbodens. In dem sehr Hachen Raum unter 
diesem tritt der natürliche Lavafels zu Tage; an den Enden sind kleine Räume 
abgetheilt zu uns unbekannten Zwecken. 
Die an den Außenwänden des Gebäudes, namentlich in dem gewölbten 
Gang theilweise erhaltene Malerei ist sehr einfach im zweiten Decorationsstil 
ausgeführt. Eine in diesen Stuck eingekratzte Inschrift (U. I. L. IV, 2437) 
nennt die C0nsuln_des Jahres 37 v. Chr. 
Erwähnt werde endlich noch die Säulenhalle an der Ostseite, über dem 
sehr. verbreitertcn Fußweg der Stabianer Straße. Mazois allein hat diese 
Säulenhalle, aber nicht nur giebt er dieselbe auf das bestimmteste an, so dass 
an einen Irrthum nicht zu denken ist, sondern ihr einstmaliges Vorhandensein 
wird auch dem heutigen Besucher von Pompeji dadurch bewiesen, dass sich in 
der Mauer B A D eine Reihe von viereckigen Löchern findet, in welche nur die 
Balken der Decke dieser Vorhalle eingegriffen haben können. Und dass der 
Raum eine Saulenhallc beinahe fordert, leuchtet ohne YVeiteres ein. Ihre 
größere Breite bei A D erklärt sich vielleicht dadurch, dass feierliche Aufzüge, 
welche durch die Thüren 6 ein- und austretend, über die Bühne gezogen 
waren, hier umwendeten und durch 1) und das Postscenium ihren Rückweg 
nahmen  
Vierter 
Abschnitt. 
Das Amphitheater  
Von den Schauplätzen edeler musischer Kunst führt unser Weg zu dem 
Schauplatze jener blutigen und grausamen Spiele, vor denen selbst das ab- 
gehärtetste moderne Gemiith schaudernd zurückbebt, und welche uns in ihrer 
Ausbildung eine der dunkelsten Nachtseiten des sinkenden Heidenthums 
zeigen, zum Amphitheater, in welchem die Thierhetzen und die Gladiatoren- 
kämpfe stattfanden. Auch diese sind nicht in Rom heimisch; sowie die dra- 
matischen Spiele größtentheils aus Griechenland, kamen die Gladiatorenkämpfe 
den Römern aus Etrurien zu, in welchem Lande des finstern Aberglaubens und 
blutiger Cultusiibung sie in ihrem Keime, alwer auch nur in diesem, mit reli- 
giösen Anschauungen zusammenhingen, deren Analoga wir freilich auch bei 
anderen Völkern, namentlich bei den Griechen Wiederfinden. Aus Menschen- 
opfern auf dem Grabe der Edeln zur Verherrlichung des Todten und zur 
Siihnung der Manen gingen die Gladiatorenkämpfe hervor, indem man die 
Schlachtopfer, zunächst gefangene Feinde, anstatt sie von Priesterhand erwiir- 
gen zu lassen, paarweise mit einander um Tod und Leben kämpfen ließ. Dass 
diese Kämpfe "zu einem Schauspiel wurden, welches sich den übrigen Schau- 
spielen zur Ehre des Bestatteten einreihte, begreift sich, und ebenso leicht 
verständlich ist es, dass dieses einer weiten Entwickelung Thiir und Thor 
öffnete, in der das anfängliche religiöse Element mehr und mehr zurück, das 
des Schauspiels mehr und mehr in den Vordergrund trat.  Aus Rom werden 
die ersten Gladiatorenkämpfe vom Jahre 490 d. Stadt (264 v. u. Z.) gemeldet; 
Marcus und Decius Brutus gaben sie zu Ehren der Manen ihres Vaters, indem
        

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