Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1873311
Die öffentlichen Gebäude. 
Das kleine Theater. 
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erwähnte Annahme, dass das eine T ribunal dem spielgebenden Beamten, das 
andere aber den öffentlichen Priesterinnen reservirt war, wird durch den ganz 
gesonderten Eingang noch wahrscheinlicher. 
Die in der Mitte und links von der Bühne fast vollständig erhaltenen Sitz- 
stufen unterscheiden sich von denen des großen Theaters durch Material und 
Form. Sie bestehen aus Mauerwerk, nur oben mit einer 0,21 M. dicken 'l'ufl'- 
platte bedeckt. Trotz diesem bescheidenem Material sind sie so gut wie die 
Marmorstufen des großen Theaters lange vor der Aufdeckung großentheils 
foitgeholt worden. Der nebenstehende Querdurchschnitt M 
zweier Stufen, mit Angabe der Maße, zeigt, wie der Platz  5, 
für die Füße des Hintermannes gegen den eigentlichen U   
Sitz etwas vertieft ist, wodurch die Kleider vor Be-  
schmutzung geschützt Wurden, was um so nothwendiger  
war, da man das Theater durchaus in weißem Anzuge zu Fig_ NL Sitzstufen. 
besuchen pflegte, mit Ausnahme des niedern Volkes der 
summa cavea. Übrigens brachte man sich entweder Sitzkissen mit oder faltete 
einen Mantel als Polster zusammen; denn bloße Steinstufen würden bei der 
Dauer der Aufführungen auch dem eifrigsten Theaterbesucher die Lust ver- 
dorben haben. Auch das vordere Profil diente nicht nur dem gefalligern Anblick, 
sondern zugleich der Bequemlichkeit, indem es ermöglichte, die F üße etwas 
zurück zu setzen. Die Zahl der Zuschauer, welche hier Platz ünden konnten, 
hat man auf 1500 berechnet. Die Treppen und die untersten, breiten Stufen 
sind aus Lava. 
Die Orchestra ist, der römischen Sitte entsprechend, nicht unbetrachtlich 
kleiner als die des großen Theaters, wenn sie auch den von Vitruv vorgeschrie- 
benen Halbkreis nicht unbeträchtlich überschreitet. Durch den Duumvirn 
M. Oculatius Verus wurde sie mit mehrfarbigen Marmorplatten (Giallo und 
Africano) belegt; die bezügliche, mit großen Bronzebuchstaben in den Streifen, 
welcher die Sehne der untersten Cavea bildet, eingelegte Inschrift (M. Ocula- 
latius M.  T7erus IIvir pro ludis) ist im Jahre 1816 theilweise geraubt und 
falsch hergestellt worden, so dass jetzt Olconius statt Oculatius dasteht. Pro 
ludis bedeutet, dass M. Oculatius statt der von ihm zu veranstaltenden Spiele 
diese Verschönerung ausführen ließ. 
Die Mauer der Scena ist, im Gegensatz zu der reichen architektonischen 
Entwickelung des großen Theaters, ganz glatt und war nur durch Malerei, von 
der Reste gefunden sein sollen, decorirt; außer den gewöhnlichen drei Thüren 
hatte sie noch zwei kleinere  welche jedoch schon im Alterthum vermauert 
wurden. Auch hier ist die Bühne außerdem durch zwei weite Seitenthüren 6 
zugänglich, deren eine vergittert auf Fig. 98 sichtbar ist. Auffallend ist es, 
dass das Postscenium nicht weniger als sechs Thüren hat: eine (D) aus der 
das Theater von der Stabianer Straße trennenden Säulenhalle, vier (e) aus dem 
von dieser Straße zur Gladiatorenkaserne führenden WVege, eine (II) aus der 
kleinen Säulenhalle F, welche übrigens zur Gladiatorenkaserne gehört und 
älter ist als das Theater. 
Die Substructionen des Biihnengebäudes sind hier sehr einfach; auf den 
vorspringenden Fundamenten der Scenawand sieht man hier deutlich die
        

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