Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1873304
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Drittes Capitel. 
gelangt man grade ausgehend in die Parodos und weiter in die Orchestra des 
großen Theaters, links aber durch zwei Thüren c c zu zwei zum Theil über- 
wölbten Treppen, welche in den Ecken bei e umbiegend in den hinter der 
obersten Sitzreihe sich hinziehenden Umgang d führen; aus diesem gelangt 
man durch zwei Vomitorien (bei zu den beiden mittelsten der die cunei 
theilenden Treppen. Es ist klar, dass durch diesen zweiten Eingang (B) die 
Zuschauer der drei mittleren cunei eintreten sollten. 
Die Einrichtung des Zuschauerraumes unterscheidet sich von der des 
großen Theaters noch durch das Fehlen der summa cavea. Die iryima cavea 
besteht auch hier aus vier breiten und niedrigen Stufen für die Bisellien der 
Decurionen. Die Praecinction 3 ist an jedem Ende aus der Parodos über vier 
Stufen in Gestalt concentrischer Halbkreise zugänglich (s. Fig. 98) und ist 
durch eine auf der linken Seite (von der Bühne aus) erhaltene Brüstung 
aus Tuffquadern, mit drei Durchgängen, von der iMima cavea abgetrennt. 
Diese Brüstung wird an ihren Enden von den kräftig aus Tuff gehauenen ge- 
flügelten Löwenfüßen (Fig. 99) gestützt und abgeschlossen, während die an 
den Sitzreihen, parallel der Bühne, schräg herab- 
ä; laufende Mauer an ihrer Stirn in eine knieende 
F; Atlanteniigur endet, welche auf den Ellbogen 
 a? 751i l eine Platte trägt, auf der eine Vase oder eine 
  )  sonstige Decoration gestanden haben mag (Fig. 
Ä 1, 100). Die Arbeit an dieser Figur, die mit der 
 L  2 Erbauung des Theaters gleichzeitig zu setzen ist, 
L  i! gehört zum Bessern, wenigstens zum Kräftig- 
Fig 99_ Fig_ 10„ sten, was Pompeji an derartigen nur ornamentalen 
Sculpturen aufzuweisen hat, und stimmt, worauf 
zurückzukommen sein wird, im Stile mit den Atlanten im Tepidarium der 
kleineren Thermen überein. 
Außer den Sitzreihen der zweiten (Javea 4 finden wir hier noch einige, 
links von der Bühne besser erhaltene Zuschauerplätze, welche unseren Pro- 
sceniumslogen verglichen werden können, über den Eingängen zur Orchestra, 
5 5 auf dem Plan, zugänglich durch eigene Treppen vom Proscenium aus. Es 
mussten also die Zuschauer, denen diese Plätze vorbehalten waren, durch 6 oder 
durch I) (resp  und d eintretend die Bühne überschreiten, so dass ihr WVeg von 
dem des übrigen Publikums ganz getrennt war. Wir erkennen hier sofort die 
uns schon vom großen Theater her bekannten Tribunalien. Nur sind dieselben 
hier nicht nachträglich angebracht, sondern gehören zur ursprünglichen An- 
lage. Ferner setzen sich hier die oberen Reihen der mittlern Cavea nicht über 
den Tribunalien fort, sondern es ist von oben bis unten vollständige Trennung 
hergestellt durch die schon erwähnte, in einen Atlanten endigende, schräg 
herablaufende Mauer (s. Fig.98), während die entsprechende Mauer im großen 
Theater (Fig. 93, ß) in einer Linie mit der Vordermauer des Prosceniums 
liegt. So erscheinen im kleinen Theater die Sitzstufen oberhalb der Tribuna- 
lien als ein Anhang derselben, und nur von ihnen aus zugänglich, Plätze, über 
welche die Inhaber der Tribunalien vermuthlich zu Gunsten ihres Gefolges 
und ihrer Freunde verfügten. Die bei Besprechung des großen Theaters
        

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