Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1873273
Die öffentlichen Gebäude. 
Das kleine Theater. 
Bühne stiegen, ist eine offene Frage sowohl für das griechische als für das 
römische Theater. In Abrede stellen können wir es nicht und dürfen vielleicht 
die fraglichen Treppen des pompejanischen Theaters dafür geltend machen. 
Durch die drei Thüren der Bühnenriickwand betritt man über zwei Stufen 
das Postsceilium D, den Raum in welchem die Schauspieler ihren Auftritt 
erwarteten. Im Plane sehen wir außer der Mittelthür, in welche die Rampe 
C leitet, zu den Seiten in der Hinterwand noch zwei Thüren; dieselben sind 
jedoch schon im Alterthum vermauert worden. Die Rampe bei O kann schwer- 
lich nur dazu gedient haben, dem einzelnen Schauspieler Zugang zur Bühne 
zu schaffen; sie wird vielmehr den Zweck gehabt haben, allerlei chorartigen 
Aufzügen, die aus irgend einem Grunde durch die Mittelthür eintreten sollten, 
ein wohlgeordnetes und effectvolles Auftreten zu ermöglichen. Häufiger freilich 
mochten hierfür die großen Seitenthüren F benutzt werden; wir haben oben 
(S. 77) gesehen, dass der feierlichste Zugang zum Theater, über die Treppe 
vom Forum triangulare, direct auf den linken dieser Eingänge zu führte. Im 
griechischen Theater zogen dergleichen Aufzüge (wie der Siegeszug Agamem- 
nons beim Aeschylus) durch die Parodos in die Orchestra ein. Es sind also 
diese Zugänge zur Bühne ein Beweis mehr dafür, dass Aufführungen nach 
griechischer Art hier nie stattgefunden haben. 
Die dem Zuschauerraum zugewandten viereckigen Nischen p in der 
Prosceniumsmauer waren nicht sowohl, wie man angenommen hat, für Sta- 
tuen, als zum Aufenthalt der Theaterpolizei bestimmt, welche an diesen Orten 
sitzend, wie sie uns eine bildliche Darstellung zeigt, die ganze Zuschauermasse 
auf das bequemste überblicken konnte. 
Es ward schon oben (S. 77) erwähnt, dass an der Stelle der Cellen an 
der Nordseite der Gladiatorenkaserne, in der Fortsetzung der vom Forum 
triangulare herabkommenden Freitreppe, einst ein Säulengang lag, und dass 
so der Hof A an der Süd-, Ost_ und am Ostende der Nordseite von Säulen- 
hallen umgeben war, welche mit jener Treppe den feierlichen und officiellen 
Zugang zur Bühne (durch  und zur Orchestra bildeten. Dass eben dies, 
und nicht der den Zuschauern bei Regenwetter zu bietende Schutz, die eigent- 
liche Bedeutung dieser Hallen war, wird eindringlich und gleichsam absichtlichk 
dadurch klar gemacht, dass sie am westlichen Ende des Platzes fehlen. Wenn 
nun Vitruv V, 9, 1 vorschreibt, dass zu jenem andern Zweck Portiken anzu- 
legen sind, so ist kürzlich mit Recht hervorgehoben worden, dass dies offenbar 
die ursprüngliche Bedeutung der unter dem Namen Gladiatorenkaserne be- 
kannten und zu solchem Zweck in der Kaiserzeit benutzten großen Porticus 
(XXVII auf dem großen Plan) gewesen ist. Hierauf wird bei Besprechung 
derselben noch zurückzukommen sein. 
Das kleine Theater. 
Das kleinere, nach der Bauinschrift überdachte Theater (tlzeatrum tectum) 
liegt östlich (auf dem Plan Figur 88 rechts) von dem hinter dem Bühnen- 
gebäude des großen Theaters befindlichen Hofe A, zwischen diesem und der 
Stahianer Straße. Es ist jünger als das große Theater. Die erwähnte Bau-
        

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