Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1873206
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Capitel. 
Drittes 
haben. Näheres lässt sich nicht sagen, da dieser ganze Theil modern auf- 
gemauert ist, und wir nicht wissen, in wie weit man sich dabei an etwa Ivor- 
handene alte Spuren gehalten hat. An seinem untern Rande schloss dieser 
Rang ab mit einem Marmorkarnies, von dem hinlängliehe Fragmente vorhan- 
den sind und welcher nach sicheren Spuren ein Eisen itter tru   
Oberhalb des die summa cavea unikreisenden, vongBögen ggetragenen Um- 
ganges (2 auf Fig. 88 u. 93) hat die moderne Restauration noch eine schmale, von" 
einer zweiten Bogenreihe getragene Platform angenommen (s. Fig. 93), ohne 
Zweifel mit Recht, da sie sich auf der kurzen Strecke am Forum triangulare 
aus der Dicke der Mauer ergiebt; sie ist jetzt zugänglich durch eine schmale 
Treppe, welche sich von derjenigen abzweigt, die in der Ecke zwischen Forum 
triangulare und Theater auf den erwähnten "Umgang fuhrt. Wahrscheinlich 
hielten sich auf dieser Platform die Arbeiter auf, welche das velum, das Zelt- 
dach, aufzuziehen hatten. Denn dass dem Theater Pompejis das in (Jampanien 
erfundene, in Rom erst später aufgenommene, dann aber mit unglaublichem 
Luxus hergestellte Zeltdach nicht gefehlt hat, dürfen wir wohl für sicher halten. 
Dagegen müssen wir es dahin gestellt sein lassen, ob es so angebracht war, wie 
die moderne Restauration angenommen hat, nämlich an viereckigen Balken, 
welche an der Rückwand der summa cavea mit ihrem untern Ende in Löchern 
zwischen den Sitzen und der Mauer standen, weiter oben aber durch viereckig 
(lurchlöcherte Lavariiige gingen (s. Fig. 89, 93, 94). Anderswo, z. Biam 
Theater zu Orange und am Colosseum in Rom, waren r iese 
,ig,iiii„j:gi,',  Balken oder Masten an der Außenseite der Umfassungs- 
fllmllll;  l h"  mauer angebracht und standen mit ihren unteren Enden 
   f  auf aus der Mauer vorspringenden Consolen. Uber die Art, 
 wie an diesen Balken (die amuTheater zubOraÄige auch {an 
  der Rückwand des Buhnengebaudes angg rac t Wailffll) c as 
   {Alf Zeltdach aufgezogen wurde, sind wir nicht unteirichtet. 
  äwrwlil,  es bedurfte dazu Jedenfalls eines künstlichen Systems von 
 lplllll llüi" Stricken. Das Aufziehen und Ausspannen des Leltdachs 
Fig. 89. Steinriilg über dem Amphitheater in Rom besorgten Matrosen, und 
und Balken dann- wir dürfen annehmen, dass auch in Pompeji Seeleute 
hiezu verwendet wurden. 
Gegen die Bühne zu bildete eine schräg herablaufende Mauer (ß Fig. 93) 
den Abschluss der Sitzplätze. 
Die beiden von den Holcoiiiern erbauten 'l'ribunalien, über den Seiten- 
eingängen der Orchestra, wurden schon erwähnt; sie sind zugänglich durch 
Treppen, welche sich von eben diesen Seiteneingängen auf der der Bühne 
zugewandten Seite abzweigen. Die eigentliche Bedeutung des Tribunal ist 
die, dass hier die das Spiel gebende Behörde Platz nimmt. Es ist mit YVahr- 
scheinlichkeit vermutliet worden, dass, wie Augustus in Rom den Vestalinnen 
einen Platz gegenüber dem Tribunal des Praetors anwies, so hier das zweite 
Tribunal den öffentlichen Priesterinnen bestimmt war, deren wir verschiedene 
(Eumachia, Mamia u. A.) aus Insehriften kennen. 
Den äußern Anblick des Zuschauerraums zeigt, freilich auf Grund der 
modernen aber wahrscheinlich richtigen Restauration, die Abbildung Fig. 90.
        

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