Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1873195
Die öffentlichen Gebäude. 
Das große Theater. 
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lere Rang (media cavea) gehörte den Bürgern, der oberste (summa cavea) dem 
gemeinen Volk und den Frauen.  
In unserem Theater können wir sehr deutlich die Ränge unterscheiden. 
Der unterste, die iryima cavea, hat vier Stufen. Diese sind jedoch nicht Sitz- 
stufen der Art wie die weiterhin zu besprechenden der media cavea, sondern 
sie sind beträchtlich breiter und nur von der halben Höhe dieser, dienten also 
offenbar nur, um die Ehrensessel, die Bisellien, der hier sitzenden bevorzugten 
Zuschauer zu tragen. Wir werden hier den Platz des Stadtraths, der Decurio- 
nen zu erkennen haben, unter denen noch einzelne Begünstigte Platz finden 
mochten. Vermuthlich standen einige der Decurionensessel auch in der Or- 
chestra, wo man den Mitgliedern des römischen Senats, wenn solche zugegen 
waren, die besten Plätze eingeräumt haben wird.  
Hinter diesem ersten Range folgt eine höhere und breitere Stufe 3, in 
deren Oberfläche wir den ersten Umgang, Praecinction, erkennen. Sie war 
von den Decurionenplätzen durch eine niedrige Marmorbrüstung (nicht erhal- 
ten) getrennt und zugänglich durch drei kleine Treppen von je drei Stufen, 
denen Öffnungen in der Brüstung entsprachen. Den Enden der Praecinction 
entsprachen die gewölbten Ausgänge 8. 
Der zweite Rang enthielt 20 Sitzreihen, von denen sicher auch hier 
die unteren für die Ritter, die oberen für die übrige Bürgerschaft bestimmt 
waren. Gesetzlich kamen, wie schon bemerkt, den Rittern 14 Reihen zu: 
0b dies in Pompeji durchgeführt war, dürfte wohl davon abgehangen haben, 
wie zahlreich dort die Zahl derjenigen war, die den Rittercensus besaßen. Die 
Stufen sind aus Marmor, nicht ganz glatt gearbeitet, einfach rechtwinklig, 
ohne Profilirung der Vorderseite und ohne die sonst häufig auf der Oberfläche 
angebrachte Vertiefung für die Fiiße des Hintermanns. Stellenweise waren in 
der media cavea die einzelnen Plätze durch senkrechte Linien von einander ge- 
trennt und numerirt, doch war dies nur für einen kleinen T heil durchgeführt: 
was es damit für eine Bewandtniss hatte, entzieht sich unserer Kenntniss, und 
es ergiebt sich aus den wenigen erhaltenen Zahlen kein System der Numeri- 
rung. Die Sitze waren 0,39 M. breit. Die Stufen der Treppen haben die halbe 
Höhe derb Sitzstufen; es müssten ihrer also bei zwanzig Sitzstufcn vierzig sein, 
von denen aber zwei in Abzug kommen, da die oberste Sitzreihe (vgl. Fig. 93) 
höher lag als die Schwellen der Vomitorien, und deshalb, anstatt in Treppen- 
stufen zerlegt zu sein, den Vomitorien gegenüber ganz durchbrochen war. In 
der Mitte der untersten Stufe der media cavect stand eine Statue, welche auf 
Decret der Decurionen dem einen der Hersteller des Theaters, M. Holconius 
Rufus, zum fünften Mal Rechtsduumvirn, Militärtribunen, Flamen des Augu- 
stus und Patron der Colonie errichtet war. Die vier Löcher, in denen das Po- 
stament der Erzstatue befestigt war, sind erhalten, und neben ihnen steht die 
durch die Statue unterbrochene, in Erzbuchstaben eingelegt gewesene De- 
dicationsinschrift (I. R. N. 2232; C. I. L. X, 838). Die Stufe hat hier 
doppelte Breite, so dass die nächst höhere auf der betreffenden Strecke unter- 
brochen ist; hinter den erwähnten vier Löchern, etwas weiter links, finden 
sich noch vier andere, deren Bestimmung jedoch nicht mehr auszumachen ist. 
Endlich der dritte Rang, die summa ccwea, mochte etwa vier Sitzreihen 
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