Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1873183
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Drittes Capitel. 
der sehr starken Mauer angebrachte Treppe direct auf das Forum triangulare 
hinunter. Der Umgang War von außen zugänglich durch eine in dem erwähn- 
ten Winkel und eine zweite nahe dem entgegengesetzten Ende des Halbrundes 
angebmehge Treppe, zu welcher man durch eine Straße zwischen dem Isis- 
tempel und demjenigen der capitolinischen Gottheiten gelangte. Endlich führte 
eben dahin eine dritte, auf unserem Plan nur zum Theil sichtbare Treppe, welche 
an die südliche Außenmauer der Palaestra angebaut ist und den Umgang ziem- 
lich in der Mitte der Rückseite erreicht haben muss. Unter der erstgenannten 
dieser drei Treppen war an wenig in die Augen fallender Stelle im Niveau des 
Forum triangulare ein Abtritt angebracht. Eine verwandten Zwecken dienende 
Rinne ist an die Innenseite eines Theils der Außenwand der Crypta und an die 
Nordwand des von der Stabianer Straße in die Orchestra führenden Ganges 
(O auf Fig. 97) angemauert.  Der unterste Rang (ima cavea) entleerte sich 
durch die Orchestra und deren Ausgänge ( parodoi) 7. 
Der zweite Zweck der Eintheilung der Sitzplätze entspricht dem der Rang- 
theilung in unseren Theatern. Die untersten Reihen, der Bühne am nächsten 
gelegen, waren bevorzugten Zuschauern vorbehalten. Im Dionysostheater zu 
Athen, dem Ur- und Vorbild aller Theater, bestanden die untersten Reihen 
statt einfacher Stufen aus steinernen Lehnsesseln, welche nach den Inschriften, 
dem religiösen Charakter der griechischen Theateraufführungen entsprechend, 
fast ausschließlich von Priestern eingenommen wurden ; zwischen ihnen saßen 
nur wenige weltliche Beamte und einige Personen, denen dies Recht als be- 
sondere Ehre durch Volksbeschluss zuerkannt war. Der Mittelplatz der ersten 
Reihe, ein etwas in die Orchestra vorstehender Lehnsessel, gehörte dem Vor- 
sitzenden der ganzen Feier, dem Priester des Dionysos von Eleutherae, des 
Gottes, an dessen Cultus sich die Entstehung des Dramas knüpft, und als 
dessen Fest diese Feier bei den Griechen stets betrachtet wurde. Und in der 
Orchestra, vor dem Platz des Priesters, stand die aus dem Tempel herbeigeholte 
Bildsäule des idealen Vorsitzenden, des gefeierten Gottes Dionysos selbst. So 
war er gewissermaßen der erste und vornehmste Zuschauer, und konnte des- 
halb in den Fröschen des Aristophanes als scherzhafte Personification des 
athenischen Theaterpublikums auftreten. Weiter waren auch die folgenden 
Sitzreihen, bis zur zwanzigsten, reservirte Platze: sie gehörten einer großen 
Zahl von Priesterinnen, wenigen Priestern und einigen durch Bewilligung eines 
solchen Platzes geehrten Personen. Außerdem wissen wir, dass in Athen 
die Mitglieder des Rathes, und in der Kaiserzeit die Epheben besondere Plätze 
hatten. 
In Rom gab es anfangs keine derartige Unterscheidung; und da hier die 
Theaterspiele nie einen so ausgesprochen gottesdienstlichen Charakter hatten, 
so wurden auch später, als dieselbe ein- und von Augustus strenge durch- 
geführt wurde, nicht die Priester, sondern andere Classen bevorzugt. Im Jahre 
67 v. Chr. wurde durch die lex Roscia bestimmt, dass die vierzehn ersten Reihen 
den Rittern vorbehalten sein sollten, d. h. denen die ein Vermögen von mehr 
als 400,000 Sesterzen (c. 70,000 Mark) besaßen. Weiter wurde durch die 
Theaterordnung des Augustus die unterste Stufe den Senatoren angewiesen, 
welche außerdem noch in der Orchestra zu sitzen berechtigt waren. Der mitt-
        

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