Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1873144
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Drittes Capitel. 
das theairum genannt wird, so kann dies nicht wohl anders verstanden werden, 
als dass auch der Zuschauerraum  denn dies ist die engere Bedeutung des 
WVortes  die Sitzstufen von den Holconiern hergestellt wurden. 
Betrachten wir nun diese Th_eile, so finden wir, dass sie einen von den 
eigentlichen Grundbauten verschiedenen Charakter zeigen, offenbar jünger 
sind, dass also die Holconier einen Umbau, nicht einen Neubau vornahmen. 
Reste des alten Baues finden wir, wenn auch vielfach später ausgeflickt, 
an der Front des Zuschauerraums gegen den Hof A, namentlich an dem ge- 
wölbten Durchgang von 9 zu A, weniger deutlich an dem entsprechenden 
Durchgang rechts: die Bauart dieser Theile ist derjenigen der Basilika ver- 
wandt. Als Schlussshtein der Wölbung des Zuganges Von 9 finden wir einen 
Satyrkopf aus Tuff. Ahnliches begegnet uns nur noch am Nolaner Thor (S. 52) , 
welches durch seine oskische Inschrift auf das unzweifelhafteste in vorrömische 
Zeit hinaufgeriickt wird. Und da auch die Arbeit des Kopfes derjenigen des am 
Nolaner Thor befindlichen ähnlich ist, so dürfen wir auch hier auf jene ältere 
Zeit schließen. Wir können ferner feststellen, dass der Zuschauerraum schon 
damals denselben Umfang hatte_ Denn von einem zum Isistempel gehörigen 
Raum (I auf Fig. 58) aus ist es sichtbar, dass die Rückwand dennischen- 
artigen Erweiterung in dem am weitesten zurückliegenden Theil des Ganges l 
in ihren unteren Theilen aus dem Lavabruchsteinwerk der erwähnten alten 
Theile besteht. Dasselbe gilt von den kurzen, strahlenformig an die Umfas- 
sungsmaner des Halbkreises angesetzten Mauerstücken. Dieselben haben an 
dem Bau der Holconier eine vollkommen klare Bedeutung: es sind Pfeiler, 
welche, durch Bogen verbunden, einen Umgang trugen, der sich an der Außen- 
seite der obersten, von der Crypta getragenen Sitzreihen hinzog und den Zu- 
gang zu ihnen vermittelte (s. Fig. 90). Es ist nun schwer zu ersinnen, welchen 
andern Zweck sie an dem alten Bau gehabt haben könnten. Und da es auch 
kaum glaublich ist, dass sie damals ganz zwecklos gewesen sein sollten, so 
werden wir doch wohl annehmen müssen, dass schon an dem alten Bau 1 
nicht ein offener Gang, sondern eine Crypta war und Sitzrcihen trug, zu 
welchen man vermittelst eines von Bogen getragenen Umgangs gelangte, dass 
also die Thätigkeit der Holconier, wie selbstverständlich in Bezug auf die 
Sitzreihen, so auch in Bezug auf die Crypta in einem Wiederaufbau, nicht in 
einem Neubau bestand. 
Vergleichen wir nun mit den alten Theilen die von den Holconiern her- 
stammenden. Die Crypta ist fast ganz erst nach der Aufgrabung wieder auf- 
gemauert worden; doch sind am Boden hinlängliche Reste erhalten, um die 
Bauart zu erkennen. Wir würden geneigt sein, diese aus regelmäßig wech- 
selnden Ziegeln und ziegelförmigen Hausteinen gebildeten Tlhiirpfosten, deren 
rechtwinklige Verzahnungen mit Netzwerk ausgefüllt waren, den letzten Zeiten 
Pompejis zuzuschreiben, wenn nicht die besprochenen Inschriften uns eines 
bessern belehrten. 
Zur Crypta gehören die schon erwähnten, an die Außenseite derselben 
angelehnten, durch Bögen verbundenen Pfeiler. Auch hier hat ein aus- 
gedehnter, moderner Wiederaufbau stattgefunden; doch genügen die erhal- 
tenen antiken Tbeile, um zu zeigen, dass die Pfeilen, und vermutblich auch
        

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