Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1873113
Die öffentlichen Gebäude. 
Die Theater. 
1.55 
Menschenkreis an der einen Seite durch das Bühnengerüst abgeschnitten, so 
hat man das Grundschema des griechischen Theaters in seinen drei Theilen, 
der Skene (Bühne), der Orchestra (Tanzplatz des Chores) und dem um diesen 
Halbkreis geschlossenen Theatron (Zuschauerraum) vor sich und sieht, wie 
diese Form des Raumes mit den Bedürfnissen der Darstellung zusammen ent- 
standen ist. Man braucht eigentlich 11ur das Bühnengerüst für die Aufnahme 
mehrer Schauspieler, welche nach und nach dem ursprünglich einen Redner 
gegenüber oder zur Seite traten, erweitert, den Tlanzplatz des Chores, um seine 
Bewegungen zu erleichtern, gedielt oder mit einer niedrigen Bühne aus- 
gestattet und den Zuschauerraum, wie wir zu sagen pflegen, amphi-theatra- 
lisch erhoben zu denken, und das Theatergebäude ist in seinen bestimmenden 
Elementen und Formen fertig bis auf die Decorationen, die nie eine so große 
Rolle im Alterthum gespielt haben wie bei uns. 
Als öffentliche religiöse Festlichkeiten fanden die Theateraufführungen 
keineswegs allabendlich, wie bei uns, statt, sondern in Griechenland nur an 
den Festen des Gottes, dem sie ursprünglich galten, in Rom an unbestimmten 
Festen, welche meistens beim Amtsantritt oder um sich zu einer Wahl zu 
empfehlen, aber auch bei Leichenfeiern reiche und ehrgeizige Bürger dem 
Volke gaben. An den Bakchosfesten aber füllten dafür auch die dramatischen 
Aufführungen nicht ein paar Abendstunden, sondern den ganzen Tag; eine 
ganze Reihe von Dramen wurde nach einander aufgeführt, und zwar im Wett- 
kampf mit einander um drei Ehrenpreise, welche eigens verordnete obrigkeit- 
liche Preisrichter zuerkannten. Dieser Umstände und besonders auch der 
Tagesaufführungen, die aus anderen Gründen auch in Rom Sitte waren, mußte 
hier gedacht werden, weil ihre Folgen viel weiter in das ganze Theaterbau- 
wesen eingreifen, als _1nan auf den ersten Blick glauben sollte. _Aus dem 
religiösen und festlich-öffentlichen Charakter der dramatischen Aufführungen 
erklärt sich zunächst, um nur dies vorweg zu erwähnen, das Bedürfniss Weit 
größerer Theater, als wir sie kennen. Griechenland hat Theater, welche 60- 
80,000 Menschen fassten, und selbst das Theater eines Städtchens wie Pom- 
peji fasste etwa 5000 Zuschauer. Aus dieser Größe der Theater und aus 
den Tagesaufführungen ergiebt sich aber weiter die Unthunlichkeit der Be- 
deckung der Theatergebäude; dieselben waren also offen oder doch nur, nach 
einer in Campanien gemachten Erfindung, durch ein an aufgerichteten Masten 
iibergespanntes Zeltdach (velum, cela) gegen den Brand der Sonne und einen 
plötzlichen nicht zu starken Regenguss geschützt. 
Es ist bekannt, welche wichtige Rolle im griechischen Drama der Chor 
spielt, welcher, durch die Seiteneingänge (rvoigoöot) der Orchestra eintretend, 
in dieser, um einen Altar (tlzymele) gruppirt, unter Tanzbegleitung seine 
Lieder sang, gelegentlich auch, auf Treppen die Bühne besteigend, in die 
Handlung eingriff. Die Römer beseitigten ihn, eine Neuerung, welche nicht 
ohne Einfluss auf den Bau der Theater blieb; aus ihr ergeben sich nämlich 
die beiden wesentlichen Eigenthümlichkeiten, welche nach der Angabe Vitruvs 
das römische Theater vom griechischen unterscheiden. Da die Orchestra dem 
Zweck, für welchen sie ursprünglich bestimmt war, nicht mehr zu dienen 
hatte, und nur noch benutzt wurde, um die Sitze bevorzugter Zuschauer zu
        

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