Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1873034
Die öffentlichen Gebäude. 
Die Palaestra. 
hatte, sondern dass es in verhältnissmäßig später Zeit, vielleicht erst als nach 
dem Erdbeben von 63 n. Chr. der Isistempel neu aufgeführt wurde, zu Gunsten 
eben dieses 'I'en1pe1s um einen beträchtlichen Theil seines Bestandes verkürzt 
wurde. Damals entstanden die Zimmer (IIFig. 58) auf der Westseite des Tempel- 
hofes, an welchen unser Gebäude früher unmittelbar hinanreichte. Ursprünglich 
waren also Säulengänge auf allen vier Seiten; die Langseiten hatten je zehn 
Säulen; der Eingang b und die gleich zu besprechende Vorrichtung bei c lagen 
genau in der Mitte der Langseiten des Hauptraumes. An der Westseite liegen 
zwei Zimmer und ein vorn ganz oifenerRaum, in welchem man Spuren einer 
Treppe gefunden haben will; doch sieht das, was jetzt davon sichtbar ist (eine 
dünne Mauer parallel der Nordmauer) nicht danach aus : eher möchte man an 
einen Abtritt denken. Erwähnung verdient noch, dass die eine der Säulen 
rechts vom Eingange b als Brunnen durchbohrt ist, und dass man beobachtet 
haben will, die benachbarten Stylobatsteine seien durch den vielfachen Ge- 
brauch dieses Brunnens stark abgenutzt. 
Der merkwürdigste Gegenstand in dem Gebäude aber befindet sich dem 
genannten Eingange gegenüber bei c im Plane und ist auf der beiliegenden 
Abbildung deutlich zu sehn. Es ist dies ein mit einfachem, aber wohl- 
gegliedertem Carnies bekröntes 1,42 M. hohes Fußgestell von 1,10 M. oberer 
Fläche, in welcher sich eine 0,14 M. tiefe, 0,53 M. breite und 0,57 M. lange 
Vertiefung eingehauen findet. Hinten an diese Basis ist eine sie um 0,465 M. 
überragende, aus fünf Steinblöcken bestehende, sechs Stufen hohe, aber nur 
0,38 M. breite Treppe angebaut, und vor derselben steht eine niedrige Basis 
von 1,20 M. Höhe, deren Oberfläche auffallend uneben ist; auch ist an den 
Seiten der Carnies abgehauen. Was nun die Bedeutung dieser ganzen Vor- 
richtung betrifft, so geht aus den Ausgrabungsberichten von [797 (Ponzp. am. 
bist. vol. I, fasc. 2, p. 66 ff.) mit voller Gewissheit hervor, dass auf dieser 
Basis eine jugendliche männliche Statue gestanden hat, welche man von der- 
selben herabgestürzt fand, während ihre Füße an Ort und Stelle geblieben 
waren und erst später mit dem Plinthos entfernt worden sind. Und weiter ist 
durch eine glückliche Beobachtung R. Schönes festgestellt worden, dass diese 
Statue keine andere war als die im Nationalmuseum befindliche, unter dem 
Namen des Doryphoros bekannte und auf ein Original des Polyklet zurück- 
geführte Athletcnstatue, welche einen Jüngling mit einem Speer über der 
linken Schulter darstellt. Denn wenn es auch sehr seltsam bleibt, und Be- 
denken erregen könnte, dass der länglich runde Plinthos der Statue zu groß 
ist, um in die viereckige Vertiefung in der Oberfläche der Basis zu passen, und 
diese letztere also zwecklos erscheint, so stimmen doch die Brüche der genann- 
ten Statue zu genau mit den in den Berichten angegebenen, als dass man an der 
Identität zweifeln dürfte ; vielleicht hatte hier früher einmal eine andere Statue 
gestanden, für welche jene Vertiefung gemacht war. Stand aber hier nicht 
ein Gott, sondern ein Athlet oder Ephebe, das Vorbild des sich körperlich 
ausbildenden Jünglings, so werden wir uns auch den von Schöne und Nissen 
(Pomp. Stud. S. 163 ff.) gezogenen Folgerungen nicht entziehen können, dass 
nämlich das Gebäude eine Palaestra, ein Turnplatz war, die niedrigere 
Basis der Tisch, auf dem die Preise für die Sieger in den NVettkämpten auf-
        

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