Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1872998
Die öffentlichen Gebäude. 
Die Basilika. 
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Die bei f angegebene Basis einer Reiterstatue ist viel jünger als die Basi- 
lika. Von der Statue selbst ist nichts gefunden worden 65); drei weitere Basen 
für Statuen sind von außen an die Eingangspfeiler der Vorhalle angelehnt 
(s. den Plan Fig. 82). 
Die Basilika gehört ihrer Bauart nach der von uns als Tuffperiode bezeich- 
neten. dem Bundesgenossenkriege vorhergehenden Blütheperiöde der oskischen 
Arrchitektur an. Eine nähere Zeitbestimmung ist nicht möglich. lnschriftlich 
wissen wir, dass die Forumsporticus, welche jünger ist (s. oben S. 65) von 
einem (luaestor, also wahrscheinlich vor der Zeit der römischen Colonie, 
erbaut ist. Wir wissen ferner, dass im Jahre 78 v. Chr. am 5. October ein 
gewisser C. Pumidius Dipilus seinen Namen und den der Consuln jenes Jahres 
in die Stuckdecoration der Basilika einkratzte (C. I. L. IV, 1842: O. Pumi- 
dius Dzpilus beic fuit a d. Vnonns octobreis M. Lepid. Q. Oatul.  Wir 
dürfen den Bau dem 2. Jahrhundert v. Chr. zuschreiben. Die Mauern bestehen 
aus trefflichem Incertum aus Lava; und zwar sind aus demselben Stein auch 
die Ecken hergestellt, zu denen man sonst wohl Kalksteinquadern benutzte. 
Die Pfeiler der Vorhalle sind aus Tuffquadern aufgesetzt, aus solchen be- 
stehen auch die Pfosten des Nordeinganges: sie waren an letzterer Stelle nicht 
künstlerisch gestaltet, auch nicht mit Stuck überzogen, sondern trugen Holz- 
verkleidungen (antepagmenta). Die 28 großen Säulen sind nach einem eigen- 
thümlichen System aus eigens dazu gebrannten Ziegeln mit großer Sorgfalt 
und Festigkeit aufgemauert worden. Sie waren mit feinem weißem Stuck be- 
kleidet: ihre Capitelle waren ohne Zweifel aus Tuff und auch mit Stuck über- 
zogen. Ebenso aus Ziegeln ist die ganze dem Forum zugewandte Front des 
eigentlichen Gebäudes gearbeitet, so wie auch die Säulen vorn an den Treppen- 
räumen des Tribunals und die Halbsäulen: hier überall sind auch von den 
ionischen Capitellen einige erhalten; an den Halbsäulen ist auch die Basis 
aus Tilff. Aus letzterem Stein bestanden die Säulen des Tribunals und des 
obern Geschosses der Seitenwände, so wie das Zwischengebälk, von dem ein- 
zelnes erhalten zu sein scheint. Dagegen finden wir von dem Kranzgesims 
nichts : wir werden annehmen müssen, dass es auf einer Holzbohle aus Mauer- 
Werk mit Stuckbekleidung hergestellt war. Ebenso ist zu vermuthen, dass auf 
den großen Säulen  deren Capitelle, der obern Stellung der Seitenwände 
entsprechend, korinthisch gewesen sein werden  ein Holzarchitrav lag; denn 
der Tuff ist solcher Spannweite nicht fähig, und die horizontale Wölbung 
durch Keilschnitt ist dieser Periode fremd. 
Die Wanddecoration ist im ersten Decorationsstil ausgeführt; sie ahmt in 
Stuck eine Bekleidung mit farbigem Marmor nach, in einfacher und würdiger 
Weise im Hauptraum, mit etwas reicheren Profilen im Tribunal. Ganz einfach 
sind die Räume neben letzterem, die Vorhalle und die Außenseite behandelt: 
ein gelber Sockel, ein violettrother vorspringender Gurt, darüber weiße YVand- 
fläche, welche in den Räumen neben dem Tribunal durch plastische Stuck- 
arbeit in liegende Rechtecke getheilt ist. Auf der Außenseite der nördlichen 
Langwand ist später der alte Stuck durch neuern ersetzt worden, auf dessen 
rothem Grunde ornamentale Malereien letzten Stils ausgeführt waren; es ist 
Jedoch von diesen kaum noch etwas zu erkennen. l  
        

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