Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1872965
146 
Drittes Capitel. 
Ziegelsäulen zerlegt den ganzen Raum in einen innern Theil und einen 
Umgang. 
Es scheint dass zu Vitruvs Zeit (s. namentlich auch VI, B, 9) die gewöhn- 
licliste Form der Basilika die War, dass die Seitenschiffe von dem Mittelschiffe 
überragt wurden, und dass hier, über den Seitenschiffen, die Liclitöffnungen 
waren. lndess banden sich die alten Baumeister nicht an Schablonen, und 
wir dürfen uns nicht wundern, wenn uns bei diesem, übrigens weit ältern Bau 
die Erwägung aller Umstände auf eine andere Disposition fiihrtm), 
Mit Unrecht hat man bezweifelt, dass der Mittelraum überdacht war. Man 
führte gegen die Überdachung an, dass am Fuß der Säulen sich die auf dem 
Plan angegebene Rinne befindet. Allein dieselbe ist keine der gewöhnlichen 
Traufrinnen, sondern von quadratischem Durchschnitt (0,15  und aus In- 
certum mit Stuckbekleidung hergestellt. Sie befindet sich nur an drei Seiten, 
ist an acht Stellen durch quadratische Bassins (e, c. 0,55 zur Abklärung des 
ÄVassers unterbrochen, und ist Wahrscheinlich bedeckt gewesen. lhr Zweck ist 
unklar aber auf keinen Fall konnte sie bestimmt sein, das von einem so hohen 
und großen Dach herabfallende YVasser aufzufangen; vielleicht diente sie zur 
Reinigung des Gebäudes. Auch der Fund einzelner thönernen Stirnziegel und 
Traufkasten, wie sie den Rand des Daches zu umgeben pflegen, kann gegen- 
über entscheidenderen Erwägungen nicht in Betracht kommen: solche Angaben 
beruhen vielleicht nur auf einer ungenauen Fundnotiz, da man mit dem Namen 
Basilika anfangs häufig den ganzen südlichen Theil des Forums bezeichnete ; es 
konnten aber auch sehr leicht Stücke von so geringem Gewicht in die Basilika 
gelangt sein, die ihr entweder gar nicht angehört oder sich auf der Außenseite 
befunden hatten. Entscheidend aber für die Bedachung ist die Erwägung, dass die 
ungemein festen Ziegelsäulen von über 1M. Dicke und wohl nicht unter I0 M. 
Höhe, welche das Mittelschiff von den Umgängen trennen, zwecklos und sinnlos 
waren; wenn es sich nur um die Herstellung von Portiken an einem offenen 
Mittelraum handelte, welche Portiken a bei viel geringerer Höhe ihrem 
Zweck, gegen Sonne und Regen zu schützen, weit besser entsprochen haben 
Würden. Dagegen begreifen wir sofort die Höhe der Säulen, wenn sie zu dem 
Mittelraum im Verhältniss stehen sollten, ihre Festigkeit, wenn sie ein großes 
Dach zu tragen bestimmt waren. ' 
Man hat ferner gefragt, 0b über den eben besprochenen Säulen eine zweite 
Säulenstellung folgte, und ob über dem Umgang zu ebener Erde noch ein oberer 
Umgang vorhanden War. Die Frage muss verneint werden, namentlich des- 
halb, weil es an einer geeigneten Treppe fehlt. Die bei c angegebene Treppe 
gehört zur Forumsportieus und ist erweislich jünger als die Basilika und als 
die Stuckbekleidung ihrer Außenseite. WVenn aber der kleine Raum zwischen 
dieser Treppe und der Vorhalle auch eine Treppe enthielt, was sehr zweifelhaft 
ist, so konnte dieselbe nur in mehren Wendungen die Höhe der großen Säulen 
erreichen, war also sehr eng und unbequem. Außerdem war sie nicht von der 
ebenen Erde aus zugänglich, sondern man erreichte sie von der Vorhalle aus 
vermittelst einer Leiter durch ein 2,20 M. vom Boden entferntes Thürchen. 
Sie kann gedient haben, um. wenn es nöthig war, den Dachstuhl zu besteigen,
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.