Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1872885
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Drittes Capitel. 
hier (nach Osten) das erhöhte Stück des Fußweges durch eine Thür abgesperrt 
werden konnte. Endlich konnte, wie es scheint, zwischen der Ecke am Forum 
und der nächsten Säule eine Vergitterung angebracht werden. 
Es ist nun auf Grund dieser Vorrichtungen vermuthet worden, dass das 
Local zu Abstimmungen diente, dass die Stimmberechtigten auf dem ab- 
gesperrten Fußwege hinter einander antraten, am Nordeingange controlirt 
wurden, an der Tribüne ihr Votum abgaben und durch die Westeingänge 
hinausgingen. Indess war dies einheitlich angeordnete Local, mit nur einer 
Stelle für die Stimmabgabe, wenig geeignet für eine nach Curien abstimmende 
Versammlung s. oben S. 13); und wer möchte leugnen, dass eine solche Ab- 
sperrung auch noch anderen Zwecken dienen konnte  Außerdem stammt die 
jetzige Form der Nordseite, mit dem einen, leicht controlirbaren Eingang, von 
welchem obige Vermuthung ausgeht, aus der letzten Zeit Pompejis, und müsste 
also das Gebäude jedenfalls früher eine andere Bestimmung gehabt haben. 
Wir müssen nämlich an demselben alte (vorrömische), jüngere (republi- 
kanische  und ganz junge, vermuthlich der Zeit nach 63 n. (Ihr. angehörige 
Theile unterscheiden, welche auf unserm Plane durch Schwärze, dunkle Schraf- 
firung und helle Schraffirung unterschieden sind. Die aus der ersten Periode 
stammenden sechs 'I'uffpfeiler am Forum beweisen nur, dass hier damals ein 
Gebäude mit fünf weiten Öffnungen lag, nicht jünger als die Forumsporticus, 
deren zweite Säulenreihe mit Rücksicht auf diese Öffnungen angeordnet ist. 
In der zweiten Periode wurde auf Kosten des Nebenhauses die Tribüne a an- 
gelegt und in der Siid- und Ostwand symmetrisch angeordnete Nischen d (für 
Statuen?) angebracht; zwischen den Ziegelpfeilern der Nordseite waren (ohne 
Zweifel auch fünf) weite Öffnungen. Aus eben dieser Zeit scheint auch die 
Anlage von b zu stammen: es war dies eine zweite, aber auf das Forum geöff- 
nete, hier l,06 M. hohe Tribüne, zugänglich von der zu a führenden Treppe 
und durch einen besondern Zugang bei h, so dass in c eine Treppe gewesen 
sein muss; wie es scheint, war bei d' statt einer Nische damals ein Fenster. 
So war das Ganze eine durch zehn weite Eingänge zugängliche Halle, mit einer 
nach innen und einer nach außen geöffneten Tribüne. Da nun die Löcher f 
im Trottoir der Ablmndanzastraße den erwähnten Ziegelpfeilern entsprechen, 
so ist es nicht unwahrscheinlich, dass sie aus eben dieser Zeit stammen, dass 
mithin die Vergitterung nicht zur Herstellung eines leicht controlirbaren Zu- 
ganges, sondern nur deshalb angelegt wurde, um diese Seite des Gebäudes v01n 
Forum aus zugänglich zu machen, auch wenn letzteres gegen die Straße 
gesperrt war. WVozu nun aber damals das Gebäude diente, ob etwa zu gericht- 
lichen Zwecken, das können wir nicht errathen. Von der Wichtigkeit, welche 
man ihm beimaß, zeugt die Marmorbekleidung, welche es damals erhielt, von 
der aber nichts erhalten ist. 
Erst in der letzten Periode wurden die Eingänge in der auf dem Plan 
ersichtlichen Weise vermindert und der mittlere der Forumsseitedwie es scheint, 
verengt. Zugleich ward die Tribüne b gegen das Forum zu vermauert, ebenso 
auch ihr Zugang k und das Fenster d'. Jedenfalls hangen diese Umgestal- 
tungen mit einer veränderten Bestimmung des Gebäudes zusammen ; sie geben 
uns aber keinen Anhalt, um nähere Vermuthungen aufzustellen 64)-
        

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