Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1872838
Die öffentlichen Gebäude. 
Das Gebäude der Eumachia. 
133 
stehenden kleinen Räumen enthält der zur Rechten eine Treppe, eine durch 
eben diese Treppe unzugänglich gewordene Cisternenmiindung und einige 
unklare Vorrichtungen, die zum Theil vielleicht als Abtritt gedient haben 
können. Aus dem Raume links vom Eingange gelangte man durch einen 
Nebenausgang auf die hier einst auf das Forum miindende Straße: man fand 
hier viele Marmortafeln, mit denen die Wände bekleidet werden sollten, auf- 
gespeichert: ein Zeichen, dass auch dies Gebäude bei der Katastrophe Pom- 
pejis noch unvollendet war. Zu diesem gesellt sich das andere, dass man im 
Innern einen Marmorblock gefunden hat, auf dem mit Kohle eine Linie für 
die Steinsage oder den Meißel vorgezogen war. Der mit einer großen Flügel- 
thiir verschließbar gewesene Eingang in der Mitte der Vorderwand führt in die 
Porticus, einen 4,40 M. breiten Saulenumgang von, wie man berechnet hat, 
58 Säulen, von denen nur bei x einige marmorne Basen und Stümpfe erhal- 
ten sind. Auch die Marmorbekleidung des Saulenstuhls und der ihm vor- 
igelegten Stufe ist nur auf der Rückseite und einem Theil der Langseiten 
erhalten. Dieser Saulengang umgiebt einen offenen Hof von 37,70 M. Tiefe 
und 19,16 M. Breite. Unter dem Boden dieses Hofes befindet sich eine oder 
mehre (Zisternen: eine Mündung, geschlossen durch eine Steinplatte mit 
einem Eisenring, befindet sich in der Mitte, eine zweite, in einer großen Tra- 
vertinplatte, an der Vorderseite, eine dritte, in einem Lavastein, bei der vierten 
Säule rechts. An der rechten Seite fand man bei c fünf länglich viereckige, 
jetzt vollkommen verschwundene Aufmauerungen: ihre Form war die von 
niedrigen Giebeldächern. Zwei Vorrichtungen anderer Art sind bei d noch 
theilweise erhalten : der Boden ist hier etwas erhöht, mit opus  belegt 
und mit einem niedrigen Rande umgeben, so jedoch, dass ein Abfluss in die 
Traufrinne blieb. Dass alles dies die Füße steinerner Tische gewesen seien, 
auf deren Platten man die feilgebotenen Waaren (Wollenstoffe) zum Verkauf 
ausgelegt habe, ist wenig wahrscheinlich. Andere haben hiermit die Cisterne 
und den öffentlichen Brunnen vor dem Südeingang verbunden, und unter 
Hinweis darauf, dass noch heute in Italien vielfach, wie auch anderswo, die 
Wäsche durch Ausklopfen auf flachen Steinen gereinigt wird, angenommen, 
Eumachia habe diesen Mittelraum den Tuchwalkern zur Ausübung ihres Ge- 
werbes überlassen, und es sei derselbe eine fullonica gewesen. Doch wird 
der seltsame Gedanke, als sei in Mitten dieser höchst eleganten Hallen jenes 
sicher sehr übelriechende Gewerbe betrieben worden, durch die Betrachtung 
der erhaltenen und durch Malerei dargestellten Apparate in den beiden wirk- 
lichen Fulloniken Pompejis hinlänglich widerlegt 60). Ringsum, am Fuß der 
Säulen, lauft eine Traufrinne aus Tuffblöcken; dieselbe ist nicht, wie wohl 
sonst, namentlich in den Bauten der Tuifperiode, durch kleine viereckige 
Bassins zur Abklärung des Wassers unterbrochen, sondern es sind diese 
kleinen Bassins, 0,60 M. im Quadrat, 0,50 M. tief, neben der Rinne an- 
gebracht, und zwar an sechs Stellen, in den Ecken und in der Mitte jeder 
Langseite (s. den Plan Fig. 76). 
In diesem offenen Säulengange und dem von ihm umschlossenen Hofraum 
kann sich bei gutem Sommerwetter der Zeughandel bewegt haben, vielleicht 
nebst anderen Geschäften; bei schlechtem und bei WVinterwetter zog man sich
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.