Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1872818
Die öffentlichen Gebäude. 
Das Gebäude der Eumaehia. 
scheinlich wird. Näheres lässt sich nicht feststellen. Fiorelli bezieht auf die 
Einweihung dieses Raumes und seines Altars eine gemalte Inschrift (U. I. L. 
IV, 1180), vermnthlich aus der Zeit des Tiherius, in Welcher zu Ehren der 
kaiserlichen Familie und zur Einweihung eines Altars (ab cledicationewz arae) 
F echterspiele angekündigt werden: eine ansprechende Vermuthung, welche 
sich auch mit der muthmaßlichen Entstehungszeit des Gebäudes wohl verträgt. 
Denn keinenfalls stammt dasselbe aus der letzten Zeit Pompejis, da die zu ihm 
gehörigen, durch e' zugänglichen Räume im dritten Decorationsstil ausgemalt 
sind, wodurch wir bis über das Jahr 50 n. Chr. hinaufgeführt werdenäß"). 
Das (iebäude der Eumachia. 
Dieses nächst der grade gegenüberliegenden Basilika größte und bedeu- 
tendste, ganz der letzten, römischen Bauperiode der Stadt angehörende Ge- 
bäude am Forum wurde von 1817- 1821 ausgegraben. Über dem Neben- 
eingang von der Abbondanzastraße steht eine Inschrift, welche über dem 
Haupteingang auf dem Architravbalken der Forumcolonnade wiederholt war 
und auf dessen Blöcken in Fragmenten erhalten ist; wir lernen aus ihr, dass 
die Stadtpriesterin Eumachia in ihrem Namen und demjenigen ihres Sohnes 
M. Numistrius Fronto das Chalcidicum, die Porticus und die Crypta auf eigene 
Kosten gebaut und der Pietas und Concordia Augusta geweiht hat (Eumachiu 
L.  sacerd. publ. nomine suo et M Numistri Frontends jili chalcidicum cryptam 
porticus Concorrliae Augustae Pietati sua pegmziafecit eademque dedicavit). Dazu 
kommt eine andere auf dem Fußgestell der Statue der Stifterin, welche aus- 
sagt, dass die Tuchwalkei" die Statue gesetzt hatten (Eumackiae L. sacerd. 
publ. fullones)  Obgleich wir aber aus der erstern Inschrift die Namen für Theile 
des Gebäudes kennen und aus der zweiten ersehen, dass die Tuchwalker bei 
der Errichtung desselben ein ganz besonderes Interesse hatten, so sind wir 
doch keineswegs über die Bedeutung und Bestimmung des ganzen Gebäudes 
und seiner Theile zweifellos aufgeklärt. Selbst die Zurückfiihrung der in der 
Weihinschrift genannten drei Theile des Bauwerks auf die Räumlichkeiten 
der Ruinen hat zu Zweifeln Anlass gegeben. Doch darf als sicher gelten, dass 
unter Crypta der bedeckte Umgang U, unter Porticus der Säulengang B, unter 
Chalcidicum die Vorhalle A zu verstehen ist: es ergiebt sich dies namentlich 
aus einer Stelle des Vitruv (V, 1, 4), welcher vorschreibt, dass, wenn der für 
eine Basilika gegebene Raum zu lang ist, man an den Schmalseiten Ühalcidi- 
ken, also Vorhallen, vorlegen soll. 
Die Form des Gebäudes giebt uns keinen Anhalt, um seine läestimmung 
zu erkennen: der offene und der geschlossene Umgang können zum Spazieren- 
gehen, zu beliebigem Aufenthalt bestimmt scheinen. Von einigen noch zu 
erwähnenden Vorrichtungen in dem unbedeckten Mittelraum lasst sich durch- 
aus nicht feststellen, welchem Zweck sie gedient haben mögen, und da auch 
die Inschriften wenig weiter helfen, so sind wir auf 's Rathen angewiesen. Da 
hat nun die Ansicht, es sei eine Art Börse, ein Gebäude für Handel und Ver- 
kehr, vielleicht ganz besondersfiir den Zeughandel gewesen, manches fir 
Sich, und mag in Ermangelung einer beweisharen andern einstweilen fest- 
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