Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1872780
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Drittes Capitel. 
mehre in Rom, und sie fehlten auch nicht in den Municipien. Durch Inschriften 
und literarische Zeugnisse erfahren wir, dass zu ihnen sowohl Säulenhallen 
und ein freier Platz (area) als auch V erkaufsläden gehörten, ferner steinerne 
Tische: lauter Dinge, die Wir auch in unserem Gebäude gefunden haben. Wir 
wissen aus einer gelegentlichen Erwähnung Varros, dass zu dem Macellum ein 
Kuppelbau (tkolus) gehörte; und auf einer Münze, Welche ein von Nero ge- 
bautes oder hergestelltes römisches Macellum darstellt, erscheint innerhalb eines 
zweistöckigen Säulenbaues eine säulengetragene Kuppel, unter welcher eine 
Statue steht. Wir sind also wohl nicht zu kühn, wenn wir annehmen, dass 
auch in unserm Gebäude in den zwölf Basen die Reste des Kuppelbaues 
(tlwlus) erhalten sind. 
In Betreff des Letztern muss der Verrnuthimg begegnet werden, als sei er 
etwa ein Schlachthaus gewesen. Zwar geht aus einigen Andeutungen hervor, 
dass es Macella gab, in welchen auch geschlachtet wurde; da aber hier die 
Entfernung zwischen dem Bassin und den Basen nicht mehr als etwa 3 M. 
betragen konnte, so war der Raum für einen solchen Zweck durchaus ungenü- 
gend. Überhaupt ist in dem ganzen Gebäude kein zum Schlachten geeigneter 
Raum vorhanden; denn an die neben dem Zwölfeck übrig bleibenden Ab- 
schnitte des Mittelraumes zu denken verbietet nicht nur ihre hierfür doch 
kaum hinreichende Ausdehnung, sondern mehr noch die feine Fußboden- 
bedeckung, die schmalen Zugänge, so wie die Unzuträglichkeit, dass alsdann 
das Schlachtvieh durch das in den Umgängen sich bewegende kaufende Publi- 
kum hindurch geführt werden musste. Der Tholus war wohl nur ein den 
Brunnen umschließender Zierbau; wie wiinschenswerth es war, an einem Ort, 
wo Lebensmittel verkauft wurden, YVasser zur Hand zu haben, bedarf keiner 
weitern Ausführung. So bleiben wir also dabei, in unserem Gebäude nicht 
ein Schlachthaus, sondern ein Macellum im Sinne eines Victualienmarktes zu 
erkennen, welchem man durch die in ihm angebrachte Capelle des kaiser- 
lichen Hauses eine religiöse YVeihe geben und ihm Wohl auch den besondern 
Schutz des Herrschers zuwenden wollte. 
Das s. g. Sitzungslocal der Decurionen (Senaculum). 
Das Macellum und der Augustustempel liegen nicht senkrecht auf das 
Forum, sondern haben sich der Richtung der neben ihnen auf dasselbe miin- 
denden Straßen anbequemen müssen. Als man nun aber die Lücke zwischen 
beiden durch das auf unserm großen Plan mit XXII bezeichnete Gebäude 
ausiiillte, wurde die südlich am Macellum entlang laufende Straße gesperrt, 
und da man auf keine Straße mehr Rücksicht zu nehmen hatte, legte man das 
neue Gebäude senkrecht auf das Forum, indem man da, wo es an jene beiden 
anstößt (bei e) zur Ausgleichung der Abweichung dieZwischenwände ungleich- 
mäßig verstärkte. Die Mauern sind theils aus Ziegeln, theils aus netzförmig 
angeordneten Steinen verschiedenen Materials (vorwiegend Kalkstein) errichtet. 
Das Gebäude besteht aus einem großen, 18,20 M. breiten, 19,90 M. tiefen 
Saal b, welcher um 3,45 M. vor die anstoßenden Gebäude vorspringt und auf 
das Forum in ganzer Breite geöffnet ist. Vor ihm sehen wir, in einer Linie mit
        

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