Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1872777
Die öffentlichen Gebäude. 
Das Macellum 
Pantheon) 
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Bilder, die weitaus größten der gesammten Wände, welche die verschiedensten 
Gattungen von Lebensmitteln nebst verwandten Gegenständen darstellen. Wir 
finden daselbst allerlei Geflügel, Kalkuten, Enten, Gänse, Rebhühner, bestens 
gerupft und gereinigt, einen Hahn mit gebundenen Füßen, Wild, Fische, 
Früchte in verschiedenen Gefäßen, Eier in Glasschalen, Amphoren für Wein, 
allerlei Fleisch, Schinken, Schweinsköpfe, Brod und Kuchen, verschiedene 
Geräthe, z. B. Vorlegemesser und dergleichen mehr (Mus. Borb. VI, 38. VIII, 
26 u. 57). Diese eigenthümlichen Malereien erstreckten sich durch den ganzen 
Hauptraum und auf den nördlichen Eingang b. Auf den Hauptfeldern des letz- 
tern erwähnen wir noch zwei höchst anmuthige, leider jetzt sehr zerstörte Bild- 
chen, deren eines Licbesgötter darstellt, welche das Mühlenfest Vestalize feiern 
(Hlbg. N0. 777), das andere dieselben, wie sie mit Kränzewinden beschäftigt 
sind. An untergeordneten Stellen der Wände des Hauptraumes finden wir, 
wie mehrfach sonst, Landschaften, Seestücke, Thierkämpfe, Jagden u. dgl. 
mehr. Auf der Hinterwand des Raumes k sind in einem größern Bilde (N0. 
1019) vermuthlieh pompejanische Localgottheiten dargestellt, Erotenscenen in 
zwei Bildern des Raumes i. 
Diese Decoration kann nicht diejenige sein, welche unser Gebäude gleich 
nach seiner Erbauung erhielt; denn damals herrschte der dritte pompejanische 
Decorationsstil. Außerdem ist sie jünger als die Nische k in z", welche wir als 
einen spätem Einbau erkannt haben. WVir dürfen also annehmen, dass ihr 
eine Decoration dritten Stils vorherging.  
Fragen wir nun, was wir in diesem Gebäude zu erkennen haben, so fehlt es 
uns nicht an Anhaltspunkten. Wir fanden eine Reihe von elf Localen, welche, 
nach vorn weit offen, durchaus die Form von Läden haben, und in denen wir 
daher Verkaufsräume vermuthen dürfen. Wir fanden ferner in dem Raume h 
eine Vorrichtung, die vollkommen wie eine Fleischbank aussieht und uns zu der 
Vermuthung berechtigt, dass dies Local dem Fleischverkauf diente. Endlich 
die besprochenen Malereien : dieselben entsprechen weder dem was in der 
pompejanischen Wandmalerei üblich ist, noch können sie als eine Verschöne- 
rung der üblichen Decorationsweise gelten. Dazu kommt der große Maß- 
stab, welcher den Gedanken an ein decoratives Spiel ausschließt, die unge- 
wöhnliche Ausdehnung, und der Umstand , dass, Während auf den großen 
Feldern der Hauptfläche die mythologischen Bilder mit Einzelfiguren wech- 
seln, diese Darstellungen von Victualien sich über ihnen gleichmäßig durch 
den ganzen Hauptraum mit dem Nordeingang erstrecken: offenbar sind sie 
von den darstellenden (nicht ornamentalen) Bestandtheilen der Deeoration der- 
jenige, welcher am meisten in die Augen fallen und am meisten den Charakter 
dieser gesammten Wände bestimmen musste. Wir können also kaum umhin, 
anzunehmen, dass diese Malereien in enger Beziehung zu der Bestimmung des 
Gebäudes stehn. Alle diese Umstände führen uns fast mit Nothwendigkeit auf 
die Vermuthung, dass wir hier eine Verkaufshalle für Lebensmittel der ver- 
schiedensten Art, einen Vi ctualienmarkt vor uns haben. Ein solches Ge- 
bäude, in welchem man jeglichen Bedarf für die Mahlzeit, namentlich auch 
kostbare Speisen kaufen und sich außerdem noch einen Koch miethen konnte, 
nannten die Römer mit einem griechischen Wort Macellumöl); es gab deren
        

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