Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1872764
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Drittes Capitel. 
gegen die Wand liegen müssen, während die Speisetische doch nur in der 
Mitte des Zimmers stehen konnten. Denken wir uns dagegen die obere Fläche 
mit einer harten Masse bedeckt, so ist die ganze Vorrichtung zu keinem Ge- 
brauch so vollkommen geeignet, wie zu einer Fleischbank; noch heutigen 
Tags kann man in italienischen Städten sehen, wie das Fleisch auf gemauerten 
Tischen verkauft wird, die mit einer nach der Seite des Käufers geneigten 
Marmorplatte belegt sind: eine ganz ähnliche Vorrichtung, nur nicht huf- 
eisenförmig, steht z. B. auf dem Markt von Torre Annunziata. Auch die an der 
innern Seite des Hufeisens am Fuß des Tisches entlang geführte Rinne, mit 
einem bedeckten Abfluss nach Süden, passt hierzu vortrefflich. Noch ist zu 
bemerken, dass der linke (nördliche) Arm abweichend behandelt ist: der 
Fußboden zwischen Tisch und Wand ist hier erhöht, mit Stuck bekleidet und 
sehr stark gegen einen Punkt am Ostende geneigt, an welchem eine Rinne 
durch den Tisch hindurch in jene andere Rinne führt. Dies deutet darauf, dass 
hier besonders viel Wasser gebraucht wurde, und man könnte vermuthen, dass 
auf dieser Seite Fische verkauft wurden 56). Wir erwähnen noch den kleinen 
(4,75 x 0,93 ; hoch 2,10), von i aus zugänglichen Raum l, in welchem Gerippe 
von kleineren Thieren, wie von Schafen, gefunden sein sollen (Nissen, Pomp. 
Stud. S. 279). Es ist dies ein späterer Einbau, jünger als die Malerei der YVände. 
Ehe wir nun versuchen, die Bedeutung und den Zweck des Baues zu 
bestimmen, müssen wir noch einen Blick auf die Malereien seiner Wände 
Werfen, welche, namentlich die des Hauptraums, für jene Frage nicht un- 
wichtig sind. Wir bemerken zunächst, dass sämmtliche Malereien den Stil 
der letzten Zeit Pompejis zeigen. Die horizontale Theilung der Wand ist die 
gewöhnliche, in Sockel, Hauptfläche und obern Wandtheil. Der Sockel ist in 
spielend ornamentaler Weise als ein vorspringender und namentlich die leichten 
Architekturen der Hauptiiäche stützender Unterbau charakterisirt; und zwar 
sind die architektonischen Glieder gelb, die von ihnen umrahmten ornamentirten 
Flächen schwarz. Die Hauptüäche besteht aus großen schwarzen Feldern mit 
breitem rothen Rande, welche getrennt werden durch architektonische Durch- 
blicke mit weißem Hintergrund. Die schwarzen Felder haben in der Mitte theils 
Gruppen schwebender Figuren (Hlbg. No. 1952, 1957), theils viereckige Bilder 
mythologischen Inhalts; so an der Westwand (gut erhalten) Io und Argos 
(Hlbg. No. 131), an der Nordwand (ebenfalls gut erhalten): Odysseus und 
Penelope (No. 1332), Medea auf den Mord ihrer Kinder sinnend (noch ziem- 
lich erkennbar, No. 1203), Thetis, welche Achill die Waffen bringt (sehr zer- 
stört, No. 1322), Phrixos auf dem Widder (ziemlich zerstört, Nr. 1257). Die 
phantastischen Architekturen der erwähnten Durchblicke sind vorwiegend 
gelb, die scheinbar weiter zurück liegenden Theile auch roth und grün. Auch 
in ihnen sind Figuren, einzeln und in Gruppen, angebracht (No. 940, 1780). 
Am auffallendsten aber, und für die Bedeutung des ganzen Gebäudes am 
wichtigsten ist die Behandlung des obern WVandtheils.  Es ist sonst durchaus 
Regel, dass derselbe von leichten, phantastischen Architekturen, in denen 
häufig Figuren angebracht sind, daneben auch wohl von allerlei Ornament- 
streifen eingenommen wird. Hier dagegen wird dieser Wandtheil fast ganz 
ausgefüllt durch große, den schwarzen Feldern der Hauptfläche entsprechende
        

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