Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1872750
Die öffentlichen Gebäude. 
Das Macellum 
Pantheonj 
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haben. Von dem Hauptbilde, welches an der Rückwand aufgestellt gewesen 
sein muss, fand man nur einen die YVeltkugel haltenden Arm, aus dem man 
wohl mit Recht auf eine Kaiserstatue, und zwar die des Augustus, schließt, 
welchem dies Sacellum geweiht gewesen. 
Durch diese Statuenfunde wird festgestellt, dass das Heiligthum, und mit 
ihm der ganze Bau, vor dem Jahre 23 n. Chr., dem Todesjahr des Drusus, 
entstanden ist. Und wenn mit Recht in der Statue mit der Weltkugel Augu- 
stus erkannt wird, so ist es nach dessen Tode (14 n. Chr.) erbaut worden; 
denn er ist alsdann als Gott dargestellt gewesen. Eine andere Möglichkeit 
wäre freilich die, dass in der Hauptnische Juppiter mit der Weltkugel, Augu- 
stus aber in einer Seitennische der Livia gegenüber gestanden hätte; alsdann 
fällt der Bau vor den Tod des Kaisers; denn als Gott, als Divus Augustus, 
musste er einen hervorragenden Platz haben. Doch ist diese letztere Annahme 
weniger wahrscheinlich: die Bauart deutet eher auf spätere Zeit, und wir 
werden besser thun, den Bau nicht älter anzusetzen als durchaus nöthig ist; 
ferner ist es nicht recht glaublich, dass hier noch ein dritter Juppitertempel 
in augusteischer Zeit erbaut worden sein sollte 55). Es war also dies ein dem 
Kaisercultus gewidmetes Local, und nicht ohne Wahrscheinlichkeit hat man 
in ihm schon gleich nach der Auffindung (so neuerdings auch Nissen, Pomp. 
Stud. S. 274) das Cultuslocal der Augustalen erkannt, ein Heiligthum der gens 
Julia, deren Cult diesem Collegium nach Tacitus (Hist. 2, 95) übertragen war. 
Auch das mit einer Stellung von zwei Säulen, deren viereckige Marmorbasen 
erhalten sind, gegen den Hof geöffnete Gemach links 1T, diente wahrscheinlich 
Cultuszwecken. Es hat im Hintergrunde eine erhöhte und iiberwölbte Nische 
k für ein Weihebild, und vor derselben zunächst ein breites, mit Marmor be- 
legtes und durch eine seitliche Treppe von fünf Stufen zugängliches Podium, 
so wie_v0r diesem einen ganz niedrigen, eigenthümlich geformten Altar: auf 
zwei Marmorstufen (hoch U, 44  liegt eine länglich viereckige (1,33 X 0,64 M.) 
Platte aus schwarzem Sandstein, deren obere Fläche von einem niedrigen, 
leicht profilirten Rande umgeben ist, welcher in der Siidostecke durch ein 
kleines Loch zum Abfluss von Flüssigkeit durchbohrt ist; die Form scheint 
auf Libationen zu deuten und man könnte also vermuthen, dass hier Opfer- 
schmäuse gehalten wurden. Endlich steht noch gleich rechts am Eingange ein 
großes, 0,82 M. hohes marmorbekleidetes Podium. Die Nische k mit Zubehör 
ist offenbar ein nachträglicher Einbau: es handelt sich also hier vielleicht um 
den Cultus eines der auf Augustus gefolgten Kaiser. 
 Einen ganz andern Charakter hat das Gemach rechts h, welches ebenso 
wiei sich mit zwei auf Basen stehenden Säulen auf die Ostporticus öffnet. 
Die charakteristische Eigenthiimlichkeit desselben ist die steinerne Bank, 
welche an den drei inneren NVänden entlang läuft. Sie ist 1,18 M. von der 
linken, 1,13 M. von der hintern, 2,74 M. von der rechten Wand entfernt 
und hat in der Mitte ihrer Rückseite einen Durchgang. Ihre Oberfläche neigt 
sich gegen die Mitte des Zimmers, und es ist deshalb nicht zulässig, sie mit 
den in Pompeji nicht seltenen gemauerten Triclinien zu vergleichen und in 
dem ganzen Raume ein Speisezimmer zu erkennen: die Tafelnden hätten als- 
dann entweder rnit den Füßen höher als mit dem Kopfe, oder mit dem Gesicht
        

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