Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1872671
Die öffentlichen Gebäude. 
Der Tempel des Genius des Augustus. 
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Erstens dass der halbrunde Ausbau an der Rüekseite auf einer nachträglichen 
Änderung beruht, auch nicht auf dem Boden steht, sondern von einem Bogen 
getragen wird, welcher an das Naehbarhaus angelehnt ist. Zweitens, dass die 
Stiftungsinschrift des Tempels gegen den sonstigen Gebrauch im Innern der 
(Jella, an der Aedicula angebracht war. Eine genügende Erklärung dieser 
Umstände ist bis jetzt nicht gefunden   
Der Tempel des Genius des Augustus 
(s. g. Tempel des Mercur). 
Der Name Mercurtempel, welchen dies kleine Heiligthum ( V lll auf dem 
Plan) gleich nach seiner Aufgrabung erhielt, beruht auf der Vorschrift Vitruvs, 
dass der Tempel des Mercur am Forum liegen soll, und darauf, dass die auf 
S. 113 erwähnten Inschriften auf einen Cult des Mercur und der Maja schließen 
lassen. Unter diesem wenig gerechtfertigten Namen ist der Tempel an Ort 
und Stelle bekannt. Tempel des Quirinus (Romulus) hat man ihn genannt 
nach einer Inschrift (I. R. N. 2189; C. I. L. X, 809), in der ein kurzer Ab- 
riss des Lebens und der Thaten des Romulus gegeben ist. Da aber diese 
Inschrift und die ähnliche auf Aeneas bezügliche (a. O. 2188; 808) vielmehr 
der Vorhalle des anstoßenden Gebäudes der Eumachia  angehören, so 
ist auch diese Benennung grundlos. 
Mit mehr Glück hat Garrucci (Quest. Pomp. S. 74, auch Bull. napol. N. S. 
II, S. 11) die Reliefe des Altars zum Ausgangspunkt für die Bestimmung 
des Tempels gemacht. Die Rückseite nämlich desselben  (59 in der Mitte) 
zeigt den Eichen- oder Bürgerkranz zwischen zwei Lorbeerbaumen, also das 
Symbol des Augustus : denn nach Beschluss des Senats war über der Thür des 
Kaisers ein Eichenkranz aufgehangen, zu jeder Seite derselben aber ein Lor- 
beer gepflanzt worden. Vermuthungsweise hat ferner Fiorelli eine Inschrift 
mit diesem Tempel in Verbindung gebracht, über deren Fundort nichts be- 
kannt ist, sie lautet: Mpzmlia P.  sacerolos pulvlic. genzlo Aug. slolo et 
pechmia sua], nMamia, Tochter des Publius, Öffentliche Priesterin, dem (ic- 
nius des Augustus auf ihrem Boden und auf ihre Kostena. Sie kann über der 
Thür des Tempelhofes gestanden haben. In dem Relief der Vorderseite des Altars 
(Fig. 68) hat man wohl mit Recht das Opfer erkannt, welches bei der Stiftung 
des Tempels selbst dargebracht wurde. Der Tempel mit seinen vier Säulen 
ist im Hintergründe angedeutet. Der Opfernde, bekranzt, mit über den Kopf 
gezogener Toga, ist dann wohl der sacerdos Augusti; ihn begleiten zwei Licto- 
ren, ein Diener, ein Flötenblaser und zwei Opferknaben (camilli), welche ihm 
die Opfergeräthe nachtragen; rechts führt der victimarius mit seinem Ge- 
hilfen den Opferstier herbei: wir wissen, dass dem Genius des regierenden 
Kaisers immer ein Stier geopfert wurde. Auf den Seitenflachen (Fig. 69) sind 
Opfergerathe dargestellt: links das Handtuch (mentale) , das YVeihrauchkästchen 
(acerra) und der Augurnstab (lituus) , rechts die Opferschale (putera), der Schöpf- 
löffel (simpulum) und die Weinkanne (prazfericulum). 
Es ist also dieser Tempel jedenfalls zu Ehren des Augustus erbaut, höchst 
wahrscheinlich seinem Genius geweiht gewesen. Wenn jene Inschrift hierher
        

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