Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1872601
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Drittes Capitel. 
U. I. L. X, 924) im Jahre 7 v. Chr. gestiftet. Vornehmern Ranges als diese 
Sclaven und Freigelassenen war der sacerdos Augusti, auch jlamen Augusti, 
nach dem Tode des Kaisers sacerdos divi Augusti genannt; dies Priesterthum 
bekleideten nach einander die beiden Erneuerer des großen Theaters  3. Ab- 
schnitt) M. Holconius Rufus, mindestens seit dem J. 2 v. Chr., und nach 
dessen Tode M. Holconius Celer. 
Neben diesem unmittelbaren Kaisercultus gab es noch einen gewissermaßen 
mittelbaren: man verehrte nicht den Kaiser selbst, sondern die ihn beschützende 
Glücksgöttin, die Fortuna Augustin; man verehrte ferner den Genius des Kai- 
sers. Genius ist der mit dem Menschen geborene und ihn durch das Leben 
geleitende Schutzgeist; auch Privatleute opferten ihrem eigenen Genius, 
namentlich am Geburtstage wurde er als Geizius natalis verehrt. In jedem 
Hause genoss der Genius des Hausherrn besonderes Ansehn: er wurde mit 
den Hausgöttern, Laren, zusammen in der IIauscapelle, dem Lararium, ver- 
ehrt, und wir finden in einem reichen pompejanischen Hause (IX, l, 20) eine 
Hauscapelle, welche laut der Inschrift von zwei Freigelassenen dem Genius 
des Hausherrn und den Laren geweiht worden ist: Genie M(arci) n(0stri) et 
Laribus duo Diadumeni liberti. Und im Atrium des Bankiers L. Caecilius 
Jucundus (V, 1, 26) stellte sein Freigelassener Felix zwei Portrathermen dessel- 
ben auf und widmete sie seinem Genius: Genie L(ucii) n(ostri) Felix liber- 
tus.  Wie das Haus unter dem Schutz der Lares familiares, so standen die 
Straßen unter dem Schutz der Lares compitales (compitum, Ort wo sich zwei 
YVege theilen)  Der Dienst derselben wurde von Augustus im Jahre 7 n. Chr. 
neu geordnet: sie wurden fortan als Lares Augusti, Laren des kaiserlichen 
Hauses, bezeichnet, und ihnen (sie waren je zwei, wie auch die Hauslaren) 
als dritter der Genius des Kaisers zugesellt, welcher also dadurch zur Haupt- 
stadt in das Verhältniß des Hausvaters trat. Wenn man nun auch in Munici- 
pien, Colonien und Provinzialstädten den Genius des Kaisers verehrte und 
ihm Tempel errichtete, so lag darin noch kein Versuch zur Vergötterung, son- 
dern man trat dadurch nur zum Kaiser in das Verhaltniss der Hausangehörigen 
zum Familienvater. Immerhin aber ist der Cultus des Genius eine directere 
Verehrung des Kaisers, als der der Fortuna Augusta; denn im Tempel der letz- 
tem stand als Haupt- und Cultusbild die Fortuna, in dem des Genius dieser 
selbst, d. h. der Kaiser in der Tracht des Genius, mit Füllhorn und Opfer- 
schale, wie ihn uns eine Statue im Vatican (Visconti Jllns. Pio-Cl. 3, 2) zeigt. 
Betrachten wir also jetzt die beiden dem Cult des Augustus gewidmeten 
Tempelf 
Wenn wir vom Forum aus, östlich vom J uppitertempel, den großen Ein- 
gangsbogen (lurchschreitend uns nordwärts wenden, so gelangen wir in eine 
in derselben Richtung weiterführende, ungewöhnlich breite und stattliche 
Straße, welche auf der rechten Seite eine offenbar aus der letzten Zeit der 
Stadt stammende Säulenhalle, auf der linken die zu (len weiterhin zu he- 
sprechenden Thermen gehörigen Läden hat. YV o diese Straße auf die Strada
        

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