Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1872590
Die öffentlichen Gebäude. 
Der Tempel dey; Juppiter, 
der J uno und der Minerva. 
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schöner sind, dass Juno größer ist als Juppiter, dass man neben die Statuen 
eine Büste stellte, alles dies erklärt sich daraus, dass man nach dem Erdbeben 
in aller Eile, um nur den Tempel wieder in Stand zu setzen, bei irgend einem 
Händler kaufte was grade gleich und billig zu haben war. 
Die Benennung des Tempels als Neptuntempel gründet sich nur auf den 
Kopf an dem phantastisch korinthisirenden Capitell Fig. 62 S. 111 ; wenn wir 
aber demselben überhaupt eine Bedeutung beilegen wollen, so können wir in 
ihm eben so gut einen Juppiter wie einen Neptun erkennen. Dass eben jene 
Gottheiten hier verehrt wurden, wird uns auch durch ein inschriftliches Zeug- 
niss bestätigt. Es ist nämlich so gut wie sicher, dass aus dem Vorhofe des 
Tempels zwei beim Bau von Fontanas Canal (S. 2x6) gefundene Inschriften 
stammen, deren eine lautet: Imperio Veneris Fisicae Iovi o. m. Antistia 
Metlee Antisti Primigeni ex dkcurionum) (Uecreto). Auf den noch unerklärten 
Beinamen der Venus Fzisica gehen wir hier nicht ein und heben nur hervor, 
dass es eben der capitolinische Juppiter optimus maximus ist, dem Antistia 
Methe auf Befehl jener Göttin hier irgend ein Weihgeschenk aufstellte 49)  
Es haben also hier die sullanischen Veteranen bald nach ihrer Ansiedelung 
einen Tempel der capitolinischen Gottheiten erbaut; wahrscheinlich ward er, 
wie der capitolinische, als Juppitertempel bezeichnet. Es ist also nicht der in 
der oskischen Wegebauinschrift (S. 59) erwähnte Tempel des Zeus Meilichios. 
Man könnte vermuthen, dass letzterer vielleicht an derselben Stelle stand: 
unmöglich ist dies nicht, doch liegt wohl zu einer solchen Vermuthung kein 
genügender Grund vor 
Wir wenden uns jetzt zur Betrachtung der beiden jüngsten Tempel Pom- 
pejis, welche als Tempel der Fortuna Augusta und des Genius Augusti der 
Verehrung des ersten Kaisers gewidmet waren. Die römischen Kaiser wurden 
nicht nur nach ihrem Tode von Staats wegen vergöttert und als Divus Augu- 
stus, Divus Claudius u. s. w. verehrt, sondern es War auch von Anfang an die 
Neigung vorhanden, ihnen schon bei ihren Lebzeiten göttliche Ehren zu 
erweisen. Es kam sogar vor, dass dem Augustus bei seinen Lebzeiten von 
Privatpersonen Tempel gestiftet wurden, z. B. in Puteoli. Von einem solchen 
Tempel ist uns in Pompeji nichts bekannt; aber von dem Cultus des Kaisers 
haben wir hinlängliche Kunde. Zu demselben gehörte ein jährlich gewähltes, 
aus Sclaven und Freigelassenen bestehendes, uns aus einer Reihe von In- 
schriften bekanntes Collegium , welches diesen Cultus pflegte unter der Lei- 
tung der Duumvirn und zweier Beamten, deren Titel uns nur in der 
Abkürzung d. v. v. a. s. p. p. (clßauvnviri votis augustalibus saoris publicis pro- 
curandis .9) erhalten ist. Dies Collegium, dessen älteste Inschrift aus dem 
Jahre 25 v. Chr. stammt, nennt sich bis mindestens zum Jahre 14 v. Chr. mi- 
nistri Mercurii (et) Maiae, dann ministri Augusti Mercurii Maiae, endlich, spä- 
testens seit dem Jahre 2 v. Chr. einfach ministm" Augustz". Ihre Insehriften 
reichen bis zum Jahre 40 und wurden in der Stadt zerstreut gefunden, so dass 
wir nicht wissen, wo sie aufgestellt waren. Auch die Vorstadt pagus Augustus 
felix suburbanus hatte ihren besondern Augustuseult, dem die magistri und 
ministri pagi dienten; letztere wurden nach einer Inschrift (I. R. N. 2293; 
Overbeck, Pompeji. 4. A011, S
        

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