Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1872444
Drittes Capitel. 
In der Anordnung der Säulen ist eine Besonderheit zu bemerken; auf 
den Schmalseiten stehn dieselben in ungrader Zahl, nämlich neun, und 
es ergiebt sich daraus, dass der Thiir und der Treppe des Tempels kein Inter- 
eolumnium entspricht, sondern eine Säule grade davor steht. Und da man den 
Eingang des Hofes lieber mit der Porticus, in die er zunächst fuhrt, als mit 
dem Tempel in Übereinstimmung bringen wollte, so ließ man ihn den1 links 
von der Mitte liegenden Intercolumnium entsprechen. Diese störende Nicht- 
übereinstimmung zwischen dem Eingang des Hofes und dem des Tempels zeigt 
auch unsere Ansicht. 
Es ist noch deutlich zu erkennen, dass gegen das Forum zu ehemals keine 
fortlaufende Mauer war, dass jene Pfeiler von ungleicher Dicke nicht durch 
Mauern verbunden, sondern zwischen ihnen weite Durchgänge waren, durch 
die man über eine Stufe in den etwas höher gelegenen Tempelhof gelangte. 
Die Anordnung ist die, dass jeder der-beiden kurzen Portiken und außerdem 
jedem zweiten Intercolumnium ein Durchgang entsprach; nur am Südende 
musste von dieser Anordnung etwas abgewichen werden, weil sonst ein Pfeiler 
vor die Siidporticus zu stehn gekommen Ware. Diese vielen und breiten 
Durchgänge konnten als die Hauptzugänge des Tempelhofes gelten, so dass 
dadurch die schiefe Lage des vordern Zugangs entschuldigt wurde. Und 
wenn, wie gewisse Umstände vermuthen lassen, in noch früherer Zeit eine 
einfache Mauer Tempelhof und Forum trennte, so steht nichts der Annahme 
entgegen, dass auch in ihr ein Durchgang, der Hauptzugang zum Tempel, an- 
gebracht war. 
In späterer, nicht näher bestimmbarer Zeit wurden die Durchgänge zwi- 
schen den Pfeilern geschlossen. Und zwar ist es ziemlich sicher, dass die vier 
südlichsten (links auf dem Plan) ganz zugemauert Wurden, ebenso der nörd- 
lichste, nur dass hier eine schmale Thür (1,82 M.) blieb, während die fünf 
übrigen, welche dem Tempel selbst gegenüberliegen, nur durch eine niedrige 
Brüstungsmauer gesperrt wurden, so dass der Tempel vom Forum aus sichtbar 
blieb 4?)  
Ein so unvollkommener Verschluss gegen das Forum darf uns nicht Wun- 
der nehmen; denn es ist vollkommen erkennbar, dass noch in keineswegs sehr 
alter Zeit die Portiken des Tempelhofes zugleich als öffentlicher Durchgang 
dienten. Es ward schon oben (S. 63) erwähnt, dass an die hintere (Nord-l 
Wand des Tempelhofes eine nach Norden geöffnete dorische Porticus angelehnt 
war. Dieselbe entsprach aber nicht der ganzen Breite des Hofes, sondern nur 
dem mittlern, unbedeckten Theil. An der Seite nach dem Forum zu ist das 
übrig bleibende, der Ostporticus entsprechende Stück eingenommen durch die 
zum obern Geschoss der dorischen Porticus (und wohl auch derdes Apollo- 
tempels) führende Treppe und durch das daneben liegende kleine Local. Am 
entgegengesetzten (West-) Ende aber führte direct auf dies übrig bleibende 
Stück zu die von Norden die Nordwestecke des Ternpelhofes erreichende 
Straße. Ihre Richtung ist "offenbar nachträglich geändert und sie weiter nach 
WVesten gewendet worden; die natürliche Fortsetzung ihrer Westseite fallt 
zusammen mit der YVestmauer des seltsamen, engen, als Passage ganz un- 
brauchbaren Ganges an der Westseite des Tempelhofes: die natürliche Fort-
        

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