Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1872373
Die öffentlichen Gebäude. 
Der Tempel des Juppiter. 
Aber einen andern prachtvollen Anblick genießen wir mit lciblichem 
Auge, ehe wir die heilige Schwelle der Cella überschreiten ; noch einmal um- 
gewandt, sehen wir das Forum mit allen seinen bedeutenden Ruinen vor uns, 
dann weiter hinaus die herrliche Gegend, in der über Stabiae und Castellammare 
das Schloss Quisisana liegt und als Abschluss das kühne Profil des Monte S. 
Angelo, der sich als mannigfaltig gestaltete Bcrgwand vor unseren Augen lang 
hinstreckt und sich allmählich, für unsere Blicke bis etwa in die Gegend von 
Sorrent verfolgbar, zum Meere hinabsenkt. 
Jetzt betreten wir die Cella, deren Boden ringsum mit schwarzweißeru 
Mosaik belegt war, während in der Mitte nur eine eigenthümlich in 0,09 M. 
breite Streifen getheilte Mörtelschicht erhalten ist, welche entweder einem 
feinern Mosaik oder einer Marmortäfelung als Unterlage gedient haben wird. 
An beiden Seitenwänden, und zwar nur 1,04 M. von denselben entfernt, 
bemerken wir zwei Reihen von  acht nur theilweise erhaltenen 4,50 M. 
hohen, aus Tuff gearbeiteten und mit weißem Stuck bekleideten ionischen 
Säulen, welche auf ihrem Gebälk eine zweite korinthische Säulenstellung gee 
tragen haben müssen, etwa 4 M. hoch, deren Capitelle gefunden sind. Dass 
an den Seitenwänden in der Höhe des Zwischengebälks eine Gallerie an- 
gebracht war, ist möglich; sie diente alsdann der Festigkeit und konnte 
außerdem zur Aufstellung von Statuen und Weihgeschenken benutzt werden; 
wie sie hätte zugänglich sein können, ist, wenigstens auf der linken Seite, 
durchaus nicht ersichtlich. Die korinthischen Säulen trugen die auch hier 
leicht aus Holz construirte und farbenstrahlende Felderdecke. Denn dass der 
Tempel hypaethral gewesen sei, kann wegen seiner ganzen Raumanordnung 
unmöglich angenommen werden. Die ganze Rückseite des breiten Mittelschiffs 
wird durch einen Einbau eingenommen, welcher drei kleine, dunkele, durch 
Thüren verschließbare Kammern enthält, zugleich aber zweifellos als Basis für 
ein wahrscheinlich sitzendes Cultusbild, oder noch wahrscheinlicher, wie schon 
oben angedeutet wurde, für mehre Cultusbilder diente. Die Ecken waren 
ursprünglich als Pilaster, der obere Rand als Architrav gebildet, zwei weitere 
Pilaster theilten die Vorderseite; doch ist bei einem spätern Umbau auf der 
Vorderseite diese architektonische Gliederung beseitigt und dafür eine Mar- 
morbekleidung angebracht worden, deren dicke Mörtelunterlage noch theil- 
weise erhalten ist; ursprünglich war die ganze Basis mit Stuck bekleidet. 
Durch eine hinter der eigentlichen Cella gelegene, von vorn nicht sichtbare 
'l'reppe stieg man aus dem linken Seitenschiff auf die Basis, eine Einrichtung, 
welche zu gottesdienstlichen Zwecken, z. B. zur Bekränzung der Götterbilder, 
nothwendig war. YVas die Bestimmung der drei Kammern betrifft, so ist es 
das Wahrscheinlichste, dass in ihnen gottesdienstliches Geräth aufbewahrt 
wurde, z. B. der Schmuck, welcher den Götterbildern bei festlichen Gelegen- 
heiten angelegt wurde. Eine dem Zugang zur Treppe entsprechende Thür am 
Ende des rechten Seitenschiffs ist antik vermauert, und wir wissen nicht, wo- 
hin sie führte. 
In Anbetracht der Entstehungszeit des Tempels dürfen wir vermuthen, 
dass die Wände der Cella einst eine Stuckdecoration ersten Stils (Nachahmung 
Von Marmorbekleidung durch plastische Arbeit) trugen. Ist das richtig, so ist
        

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