Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1872358
Die öffentlichen Gebäude. 
Der Tempel des Juppiter. 
Die Zutheilung an Juppiter beruht auf einer Inschrift und einem Juppi- 
terkopf, die man in der Cella gefunden hat. Die Inschrift (I. R. N. 2212  
6321 ; O. I. L. X, 790) enthält eine im Jahre 37-38 zu Ehren des Kaisers 
(Ialigula an den Juppiter optimus maximus, den capitolinischen Juppiter, ge- 
machte Dedication; freilich Wissen die Ausgrabungsberichte nur von dem 
Funde der einen Hälfte derselben; die andere, über deren Auffindung nichts 
überliefert ist, fand F iorelli im Nationalmuseum vor. Was den Kopf betrifft, 
so sagen die Berichte, man habe am 21. Jan. 1817 einen Colossalkopf des 
Juppiter aus Alabaster gefunden. Da nun das Museum in Neapel, wohin er 
doch gekommen sein muss, keinen Kopf aus Alabaster besitzt, so erkennt man 
den pompejanischen Kopf nicht ohne Wahrscheinlichkeit in der jetzt im Zim- 
mer des colossalen Zeusfragments aus Cumae aufbewahrten Büste (N0. 6266), 
einem der vorzüglichsten der auf uns gekommenen Bilder dieses Gottes. 
Außerdem besitzt das Museum nur noch einen Zeuskopf (N0. 6260). Dies ist 
aber kein vollständiger Kopf, sondern nur das abgesagte Gesicht, gehört 
außerdem zusammen und ist ohne Zweifel zusammen gefunden worden mit 
einem ebenso behandelten Junokopf, beides Umstände, von denen die Aus- 
grabungsberichtc nicht schweigen würden.  Außerdem heißt es, man habe 
im Tenipel Votivgliedmaßen (wie sie noch jetzt in katholischen Kirchen zum 
Dank für wunderbare Heilungen aufgehängt werden) aus Erz und Stein ge- 
funden. Allein dieselben sind jetzt nirgends nachzuweisen, und vermuthlich 
ist diese Nachricht, von der die Ausgrabungsberichte nichts wissen, unrichtig. 
Sehr wohl denkbar ist es, dass hier nicht Juppiter allein, sondern mehre 
Götter, vielleicht drei, wie im capitolinischen Tempel Juppiter, Juno und Mi- 
nerva, verehrt wurden, und es leitet darauf die Form des Weiterhin zu erwäh- 
nenden großen Piedestals an der Rückseite der Cella, dessen Form (breit 7,83, 
tief 2,84 M.) weit eher für mehre als für eine Statue geeignet ist. Grade an die 
capitolinische Trias zu denken, ist nicht nöthig, zumal die Entstehung des Tem- 
pels vor die Zeit der römischen Colonie fällt. Nissen (Pompej. Studien S. 326) 
meint, dass neben Juppiter Ceres und Venus standen, welche beide Göttinnen 
allerdings in römischer Zeit in Pompeji besondere Verehrung genossen: nach 
der Venus nannte sich die Colonie (s. oben S. 12) und öffentliche Priesterinnen 
der Ceres kennen wir aus verschiedenen Inschriften. Nissen führt außerdem 
an, dass im Kellerraum des Tempels eine Hand mit Ähren und Mohnköpfen 
und eine andere mit einer Blume (Attribut eines gewissen Venustypus) gefun- 
den sei. Doch fuhren diese Umstände keineswegs zu einem bündigen Schluss, 
da wir vom Venuscultus vor der Zeit der Colonie doch nichts sicheres wissen, 
und andrerseits es keineswegs als erwiesen gelten darf, dass alles im Keller- 
raum gefundene zum Tempel gehört hat. Zudem war die Hand der ver- 
meintlichen Venus von natürlicher Größe, die der Ceres überlebensgroß 38). 
Der Tempel bildet im Plan (mit dem Unterbau) ein Rechteck von 16,98 
X 37,0 M. Von der Länge kommen 5,91 M. auf die Treppe, 12,02 M. auf 
die Vorhalle, 18,43 M. auf die Cella (einschließlich der Mauern), 0,65 M. auf 
den hinten vorspringenden Theil des Unterbaues, so dass also eine die 
Länge halbirende Linie auf die Schwelle der Cella (deren Vordermauer 
0,84 M. dick ist) fallt. Die Freitreppe, von schmalen Treppenwangen ein-
        

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