Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1872344
Drittes Capitel. 
deshalb vermuthet, es sei kein Brunnen, sondern eines ener Monumente, welche 
man unter dem Namen puteal und in der Gestalt von Brunnenmiindungen auf 
Stellen errichtete, Welche durch das Einschlagen des Blitzes geheiligt Waren. 
Es ist aber sicher eine Wirkliche Brunnenmiindung; denn in ihr findet sich, 
auch unter dem Niveau der äußern Fläche, nicht der natürliche Erdboden. 
sondern unverkennbar die Erupticnsmassen des Jahres 79 n. Chr., und zwar 
Asche, unter der wir also noch die Lapilli voraussetzen müssen. Auch fehlen 
die Spuren der Seile nicht ganz, wenn sie auch nicht so stark sind, wie man 
in dem weichen Stein erwarten sollte. Wir können nicht entscheiden, ob man 
durch den Fels gebohrt und eine Quelle gefunden hatte (wie dies an zwei 
Stellen in Pompeji geschehen ist) oder 0b hier eine Cisterne _War. Sicher 
schöpfte man hier das zum Gottesdienst und zur Reinigung des Tempels 
nöthige YVasser  
Die übrigen Tempel Pompejis tragen den Gesammtcharakter der eigent- 
lich italisch-römischen Anlage, innerhalb dessen sie jedoch Verschiedenheiten 
darbieten, welche sie einer Einzelbetrachtung durchaus würdig; machen. Voran 
sei bemerkt, dass sie sämmtlich in korinthischer Ordnung oder in jenem k0rin- 
thisirenden Stil gebaut oder umgebaut sind, welcher die römische Mischgat- 
tung charakterisirt. 
2. Der Tempel des Juppiter. 
In dem am obern Ende des Forums liegenden und dasselbe beherrschenden 
Tempel (VII auf dem großen Plan) waren die Restaurationsarbeiten nach den 
Beschädigungen vom Jahre 63 noch keineswegs beendigt. Eine neue Wand- 
decoration war noch nicht gemacht worden: die theilweise erhaltene (Fig. 46) 
kann nach ihrem Stile spätestens der ersten Zeit des Augustus angehören. 
Allerlei Marmorarbeiten waren dort im Gange: man fand nach den Ausgra- 
bungsberichten (21. Jan. 1817) ein Fragment einer Colossalstatue, aus dem 
man eben beschäftigt war, eine kleinere Statue zu machen. 
Mit Unrecht hat man gezweifelt, 0b das Gebäude wirklich ein Tempel sci. 
und hat man in demselben vielmehr einen Sitzungssaal des Stadtrathes (Curie, 
Senaculum) erkennen wollen. Alles spricht dafür, dass es in der That ein 
Tempel ist: die Lage auf dem hervorragendsten (nicht höchsten, wie auch gesagt 
worden ist) Bauplatz der Stadt und die gesammte charakteristische Anlage: 
die Cella mit dem Unterbau für das Cultusbild im Hintergrunde, die vor ihr 
liegende Säulenhalle mit der zu ihr hinauffuhrenden Treppe. Haben wir 
ferner mit Recht in dem auf S. 71 abgebildeten Relief eine Ansicht der Nord_ 
Seite des Forums erkannt, so erfahren wir aus demselben auch noch, dass auf 
der Platform am Fuße der Treppe ein Altar stand. Die gewölbten Keller- 
räume, welche sich unter dem ganzen Gebäude ausdehnen und durch acht 
0,85 M. lange und 0,8 M. breite Löcher im Fußboden der Vorhalle und der 
Cella (a Fig. 45 u. 48) spärliches Licht erhalten, können wir entweder favissae 
nennen und annehmen, dass hier Tempelgeräth bewahrt wurde, oder wir kön- 
nen vermuthen, dass, wie in Rom das Aerarium im Tempel des Saturn war. 
so auch hier, wenigstens in vorrömischer Zeit, der Stadtschatz aufbewahrt 
wurde.
        

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