Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1872296
Die öHentlichen Gebäude. 
Der Tempel auf dem Forum triangulare. 
Unbetretbares ist, dem nur derjenige nahen durfte, der ohne Sünde und Makel 
war, und sich durch ein Bad physisch, durch die Besprengung mit WVeihwasser 
symbolisch gereinigt hatte, da ferner der ebenfalls geweihte und deshalb un- 
hetretbare Altar vor dem Tempel stand, so musste man streben, die ganze 
heilige Anlage durch irgend ein Mittel gegen die Außenwelt abzuschließen. 
In der Regel geschah dies durch eine Umzäunung oder Ummauerung eines 
größern Stückes Landes um den Tempel; dies nannte man den Peribolos (die 
Umfassung) des Tempels, und dieses zum Theil (wie z. B. in Olympia) sehr 
beträchtliche Stiiek Land, welches selbst von einer solchen Ausdehnung sein 
konnte, dass es mehre Nebenheiligthümer und (Jultusgebäirde mit umfasste, 
war profanem Gebrauche entzogen und diente höchstens um außer den heiligen 
Bauwerken die Priesterwohnungen aufzunehmen. Wir finden diesen heiligen 
Peribolos bei mehren pompejaner Tempeln, als hohe Mauer z. B. beim 
Tempel des Apollo und dem der Isis, als niedere Schranke (vgl. S. 78) bei 
dem griechischen Tempel auf dem Forum triangulare. Bei denjenigen Tem- 
peln aber, welche, wie z. B. derjenige der Fortuna Augusta in Pompeji, un- 
mittelbar an Straßen standen, also keinen Peribolos haben konnten, wurde die 
Unzngänglichkeit durch Vergitterung der Treppen hergestellt.  
Nach diesen allgemeinen einleitenden Betrachtungen wenden wir uns 
unserem Hauptgegenstande, den Tempeln und Capellen von Pompeji zu. XVir 
beginnen billig mit dem ältesten dieser Gebäude, dem einzigen von rein grie- 
chischer Anlage. 
'l'e1npel auf dem Forum triangulare. 
Yen diesem Tempel ist nichts erhalten, als der Unterbau, der im Profil 
als fünf große Stufen behandelt ist, zwei Saulenstiimpfe und eine Spur einer 
dritten Säule, alle drei neben einander an ihrem alten Platze, Reste der Cella- 
mauer, die 0,55 M. hohe, l M. im Durchmesser starke runde Basis für das Tem- 
pelbild und vier Capitelle. Diese dürftigen Reste zeigt die Ansicht Fig. 41 
zum größten Theil. Der Fußboden sowohl der Cella als des Umganges zwi- 
schen ihr und den Säulen war mit Ziegelmosaik (opus Signinum) belegt. 
Die Geringfügigkeit dieser Reste wird in den Ausgrabungsberiehten des 
Jahres 1767 daraus erklärt, dass der von nur sehr wenig Erde bedeckte Tempel 
durch die Bauern, welche hier ihre Pflanzungen anlegten, zerstört worden sei. 
Gewiss hat dies mitgewirkt. Es steht aber vollkommen fest, dass von dem alten 
dorischen Bau im Jahre 79 n. Chr. nur wenig mehr übrig war. Eine genaue 
Prüfung der Reste der Cella ergiebt nämlich, dass von denselben nur einige 
an ihrem alten Platz liegende Quadern der rechten und Rückmauer, sowie die 
beiden Schwellen, dem alten dorischen Tempel angehören, alles übrige einem 
Später an der Stelle der alten Cella und mit Benutzung jener Reste erbauten 
bescheidenen und dürftigen Heiligthum, welches nicht genau in der Mitte des 
Unterbaues, sondern etwas mehr rechts lag (vgl. Fig. 32). Die Basis für das 
Götterbild, welche rechts von der Axe sowohl des altern als des jüngern Tem- 
pels steht, scheint aus einer Saulentrommel des alten Baues zurecht gemacht 
zu sein 34). Von einem Altar im Pronaos (Fig. 32) ist nichts erhalten; vielleicht
        

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