Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1872277
Die öffentlichen Gebäude. 
Tempel und Capellen. 
so entstand als größte Form des griechischen Tenlpels der vDipterosa, welcher 
selbstverständlich Wenigstens ö wie der Peripteros 6 Säulen in der Front haben 
musste, aber auch zehnsäulig wie der Peripteros achtsiiulig vorkommt, während, 
wenn die innere Säulenreihe des Dipteros unterdrückt, die äußere aber in dem 
Ahstande zweier lntercolutnnialweiten um das Tempelhaus geführt wurde, die 
Form des wPSCIUlOÖiPtCTOSK 
III 
Pseudodipteros. 
entstand, welcher sich der griechische Tempel auf dem Forum triangulare 
Pompejis durch die Breite seiner Umgänge nähert, ohne sie doch in normaler 
YVeise darzustellen. 
Ehe nun der im Vorstehenden skizzirten Gestaltung des griechischen 
Tempels diejenige des italischen gegenübergestellt wird, sei, um diese wich- 
tige Bauform nicht ganz mit Stillschweigen zu übergehn, mit einem Worte 
der Hypaethraltempel gedacht. Es war nämlich bei bestimmten Gottheiten 
ein Cultus unter freiem Himmel erfordert. Um jedoch das Tempelbild und 
was sonst im Innern der Cella aufgestellt war, nicht schutzlos den Unbilden 
des YVetters preiszugeben, wurde nicht die ganze .Cella, sondern nur ein 
mittlerer Theil derselben unbedacht gelassen, das Tempelbild aber im Grunde 
der Cella und ein Umgang um diese überdacht. Bei kleineren Tempeln konnte 
die hypaethrale Öffnung des Daches und der Decke einfach mit Hilfe der quer- 
über geführten Balken, ähnlich wie bei dem toscanischen Atrium geschaffen 
werden, bei größeren aber nur vermittels einer innern Säulenstellung, ähnlich 
wie bei dem tetrastylen oder korinthischen Atrium des Hauses (s. Cap. IV, 
Abschn. 1). Die innere Säulenstellilng aber wurde, um leichtere Säulen an-, 
wenden zu können, in zwei Geschossen über einander mit einem Zwischen- 
gebälk construirt, mit welchem zugleich der Regel nach eine obere, an den 
Langseiten der Cella hinlaufende Gallerie verbunden war, zu welcher Treppen 
vorn oder hinten in der Cella emporxführten. In Pompeji bot der J uppitertempel 
ein Beispiel einer solchen doppelten innern Säulenstellung, ohne dass er jedoch 
hypaethral gewesen wäre. Dass die Anordnung der hypaethralen Öffnung zu- 
gleich das einfachste und wirksamste Mittel bot, um dem Innern auch der 
größten Tempelcella volles und günstiges Licht zuzuführen, braucht kaum 
gesagt zu werden; es war dies um so wichtiger, als Fenster in den Cellawänden 
höchstens in ganz einzelnen Ausnahmefällen vorkamen und die Beleuchtung 
durch die Thür nur bei kleinen Cellen genügen konnte. 
Endlich ist noch hervorzuheben, dass der griechische Tempel vom gemei- 
Den Boden stets" nur durch einen Hachen Unterbau abgehoben wurde, welcher 
mit einer ungraden Zahl von Stufen profilirt wurde, die für die Beschreitung 
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