Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1872145
Zweites Capitel. 
behandelt wurde als die gegenüberliegende, so schloss man sich darin nur dem 
an, was früher gewesen war. 
Man hat nämlich auch bei der letzten Umgestaltung nach dem Erdbeben 
darauf verzichtet, hier eine gleichmäßig durchgehende Säulenhalle herzustellen, 
und sich damit begnügt, vor den einzelnen Gebäuden Säulenhallen zu errich- 
ten, welche zu denselben gehörten und unter einander wohl eine gewisse 
Ähnlichkeit hatten (oder haben sollten : denn sie wurden nicht fertig) , sich aber 
keineswegs vollkommen glichen. Das Gebäude der Eumachia (XXI) hatte, wie 
wir weiterhin sehn werden, vermuthlich von Anfang an eine Vorhalle, welche 
in der Bauinsehrift mit dem Worte Obalcidicum bezeichnet ist. Zur Zeit des 
Unterganges war man beschäftigt, sie in 'I'ravertin, im Einklange mit der 
neuen Forumsportieus, zu erneuern. Die Säulen standen so weit von dem 
Körper des Gebäudes entfernt, dass man es für nöthig gehalten hat, zwischen 
die Südwestecke des letztern und die südlichste Säule noch eine Säule einzu- 
schieben. An den Fuß einer jeden Säule, auch der zuletzt genannten, stellte 
man auf der dem Innern der Vorhalle zugewandten Seite eine Basis für eine 
Statue.  Wegen der großen Tiefe der Vorhalle hat man ivermuthet, dieselbe 
habe noch eine zweite Säulenreihe erhalten sollen; offenbar mit Unrecht, wie 
aus der Basis am Fuße der erwähnten Seitensäule hervorgeht: denn dann 
würde ja die hier stehende Statue nicht dem freien Raum der Vorhalle, son- 
dern einer Säulenreihe zugewandt gewesen sein, was doch nicht wohl denk- 
bar ist. Außerdem hätte eine zweite Säulenreihe schwerlich so spurlos sammt 
ihrem Fundamente verschwinden können. 
Vor dem Tempel des Genius des Augustus (s. g. Mercurtempel. VIII) sind 
keine Spuren einer Säulenhalle erhalten, doch geht der 'l'ravertinstylolwat des 
Gebäudes der Eumachia hier unverändert weiter. Dagegen finden wir vor dem 
 g. Senaculum (XXII) in regelmäßigen Entfernungen Lavaquadern, welche 
offenbar bestimmt waren, Säulen zu tragen; von der sich hier ergebenden 
eonstructiven Schwierigkeit wird weiterhin die Rede sein. Vor dem s. g. Pan- 
theon (XXIII) standen schlanke Marmorsäulen, und an jeder, auf der I11nen- 
seite, wie beim Gebäude der Eumachia, eine Statuenbasis. 
Diese Statuenbasen leiten uns hinüber zu einem weitern Schmuck des 
Forums, zu den zahlreichen, auf der offenen Fläche desselben errichteten 
Denkmälern, welche größtentheils in Reiterstatuen bestanden, wie aus der 
Form der auf unserm Plan angegebenen Basen hervorgeht. Es scheint, dass 
man seit der ersten Kaiserzeit mit der Errichtung dieser Monumente begann. 
Eines der ältesten derselben dürfte der in der Mitte der Südseite stehende, 
enge und niedrige Bogen sein: auf ihn hat Fiorelli mit Wahrscheinlichkeit 
eine trümmerhafte Inschrift (I. R. N. 2202 und 6377, 16; O. I. L. X, 805]; 
bezogen, laut Welcher er dem Augustus nach dem Jahr 12 v. Chr. gewidmet 
worden ist. Vermuthlieh trug er, mit Marmorplatten und Säulen geschmückt 
(cum ornamentis suis sagt die Inschrift) die Reiterstatue des Kaisers. Zu jeder 
Seite erhebt sich eine gewaltige Basis; von beiden ist nur der Kern aus gelbem 
Tuff erhalten : sie waren ohne Zweifel mit Marmor bekleidet und trugen wohl 
jede mehrere Reiterstatuen. Dazwischen sind vier Basen für je eine Reiter- 
Statue symmetrisch vertheilt ; weitere vier, die sich am Südende der Ost- und
        

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