Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1872134
Die Straßen und Plätze Pompejis. 
Das Forum civile. 
über dem Niveau der Straße, dass sie von ihr aus nicht unmittelbar, sondern 
nur über Treppen zugänglich sein konnten. 
Zwei Benennungen hat man diesem Gebäude gegeben. Die altherge- 
brachte Erklärung ist die, dass es das Gefängniss gewesen sei, und in der That 
sind die unteren Räume zu diesem Gebrauch wohl geeignet, wenn gleich es 
natürlicher gewesen wäre, die beiden Zellen so zu legen, dass man zu jeder 
derselben hätte gelangen können ohne die andere durchschreiten zu müssen. 
Neuerdings hat Fiorelli hier das städtische Schatzhaus (aerarium) erkennen 
wollen. Es spricht hierfür die Ähnlichkeit dieser Räume mit den doch gewiss 
zu ähnlichen Zwecken angelegten Räumen unter dem Juppitertempel. In Be- 
treff der oberen Räume mögen wir alsdann vermuthen, dass sie zu Bureaux 
der Finanzverwaltung bestimmt waren. 
Eine weitere Veränderung auf der YVestseite des Forums lässt sich nicht 
genau zeitlich feststellen. Nämlich die Durchgänge zwischen den oben erwähn- 
ten, die Portiken des Venustempels vom Forum trennenden Pfeilern wurden 
zum größten Theil ganz oder bis zu einer gewissen Höhe vermauert. Zugleich 
wurden die Tuffagaden der Pfeiler heruntergerissen, durch opus incertum 
ersetzt, und die Front der somit entstehenden Mauer etwas gegen den Venus- 
tempel zurückgedrängt. Die einfachen Tufffacaden entsprachen nicht mehr 
dem Zeitgeschmack: man wollte hier ohne Zweifel eine moderne Malerei auf 
Stuck, oder gar Marmorbekleidung anbringen. 
Beim Erdbeben des Jahres 63 n. Chr. stürzten wahrscheinlich die schönen 
alten Säulenhallen des Forums zum größten Theil ein. Sie in derselben Gestalt 
herzustellen, lag nicht im Geschmack der Zeit, vielmehr begann man den 
Bau neuer Portiken aus dem feinen weißen Kalkstein, den man in Neapel 
Travertin zu nennen pflegt, und war zur Zeit der Verschüttung noch in voller 
Ärbeit begriffen. Eine Probe der neuen Portiken wird zum ersten Capitel des 
zweiten Abschnittes gegeben werden; sie stehn mit ihren derben, uneleganten 
Formen, ohne Cannellirung und ohne Gliederung des Frieses, künstlerisch weit 
unter den älteren. Dagegen sind sie constructiv vollkommener: die Anwen- 
dung eines Holzarehitravs ist hier vermieden worden, und die Gebälkstiicke 
sind durch Keilschnitt (horizontale Wölbung) verbunden, der Art, dass je 
zwei auf je einer Säule ruhende Stücken ein drittes zwischen sich halten, wie 
auf der angeführten Figur sichtbar ist. 
Auf der Ostseite, nördlich der Abbondanzastraße, bieten die Gebäude der 
Kaiserzeit, wie ein Blick auf den Plan zeigt, keine gemeinsame, in grader 
Linie fortlaufende Front. Bei ihrer Orientirung ist offenbar nicht die Rich- 
tung des Forums, sondern die der hier früher in etwas schiefem Winkel auf 
dasselbe ausmündenden Straßen maßgebend gewesen: so musste hier eine 
vielfach gebrochene Linie entstehen, zumal einige dieser Gebäude mehr, 
andere weniger vorspringen. Wir werden hieraus wohl schließen, was wir 
oben unentschieden lassen mussten, dass die Portiken des Vibius Popidius 
sich nicht hierher erstreckten, denn sonst würde doch wohl im Anschluss an 
sie hier, wie gegenüber, eine grade Front entstanden sein. Wenn also bei 
der Neugestaltung des Forums in der letzten Zeit Pompejis diese Seite anders
        

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